Mit Rockmusik in den Advent

Antonia Bauriedl, Anna Maria Planner, Katharina Zeug und Mirijam Gläser (von links) brillierten mit Isabella Bauer als Vorband der Rocknacht im Bistro "Flamingo". Bilder: fjo (2)

Zurückversetzt in die 1980er Jahre durfte sich das Publikum uneingeschränkt am Freitagabend fühlen. Die Atmosphäre glich einer kleinen Musikkneipe aus längst vergangenen Jahrzehnten.

Waidhaus. (fjo) Unten auf der Mini-Bühne spielte ein Quintett junger Damen exakt jene Klassiker, die zu Jugendzeiten ihrer Eltern in waren. Die Mamas und Papas zählten gerade deshalb genauso zu der enormen Gästeschar wie in der Überzahl Gleichaltrige - vorwiegend aus dem Freundes- und Fankreis. Längst sind jene fünf leidenschaftlichen Musikerinnen ihrer Zeit als Mädchengruppe entwachsen.

Die "Killerbarbies" zählen nunmehr zur Kategorie einer richtigen "Girlband" im modernen Stil. Von der ersten Sekunde an krönte deren unbedingtes und kompromissloses Miteinander den Hörgenuss im Bistro "Flamingo". Ihre Art von Einstimmung in die vorweihnachtliche Zeit setzte freilich andere Schwerpunkte, als es der Grenzmarkt an der Nahtstelle zwischen Ost und West erwarten lässt. Und das auch wieder nur als Vorgruppe von "One Way", denen dann die Nacht bis zum frühen Morgen gehörte. Mangels echter Alternative für den "Advent" im englischen Wortschatz betitelten beide Bands ihr gemeinsames Konzert als "Rock into the Christmas-Time".

Den "Killerbarbies" kam ein gehöriger Anteil am Erfolg des Abends zu. Rhythmisch und abwechslungsreich gleichermaßen setzte Isabella Bauer aus Vohenstrauß das Schlagzeug aus dem Hintergrund immer wieder treffend in Szene, unterstützt von Anna Maria Planner, deren Gesangsstimme immer weiter in Höhen und Tiefen vorzudringen scheint. Über eine exzellente Vortragsweise verfügt die kaum 17-Jährige seit dem ersten öffentlichen Auftritt sowieso.

Gemeinsame Heimat

Und dann sind da noch jene drei Heranwachsende, die der Band als Gitarristinnen entscheidende Impulse geben. Bassistin Antonia Bauriedl fühlt sich als eifrige Tubabläserin seit Jahren bei den begleitenden Tönen im tiefen Bereich pudelwohl, während bei Katharina Zeug eher das konzertante - und damit die Melodie in der zweiten Stimme - im Vordergrund steht. Mirijam Gläser als Dritte im Bunde ist seit Kindesbeinen ein wahres Allroundtalent auf musikalischem Gebiet. Heimat des Quintetts ist der Waidhauser Musikverein. Musiklehrer Dominik Herzner mischte sich deshalb als Gründer und Probenleiter nur mit ganz wenigen dosierten Ansagen in das Geschehen auf der Bühne.

Bei der Liedauswahl ließen Titel wie "Knockin on heavens door" und "One of us" aufhorchen, doch gefiel dem Publikum vor allem "Teenage Dirtbag" gut. Dafür gab es langanhaltenden Beifall. Und noch in keinem Jahr fehlte die äußerst beliebte Version von "Zombie" als weiterer Klassiker im Repertoire. Zwanglos und unregelmäßig führten die fünf Damen meist selbst durch ihr Programm und suchten dabei einen regen Austausch mit dem Publikum.

Dass es sich dabei durchwegs um modern abgemischte Coversongs handelte, und die Jahre seitdem weit fortgeschritten sind, riss die Gäste durch einen anderen Umstand aus den Erinnerungen: Johannes Hochwart steuerte sämtliche Licht- und Toneffekte kabellos und von verschiedenen Punkten aus mühelos mittels Software am Tablet. Und damit ist auch die Nahtstelle zwischen der Vor- und der Hauptband geschaffen. Denn Hochwart übernahm bei der folgenden "Bescherung" wesentliche Elemente als Gitarrist und Sänger der Rockband "One Way".

Eigene Texte

In einer fulminanten Nacht verzauberte das Herrenquartett mit toller Rockauswahl "die kleine Kneipe". Nun rückte Eigenes in den Mittelpunkt, denn Songwriter und Bandchef Stefan Dierl wurde das Texten und Vertonen mit in die Wiege gelegt. Die in Eslarn und Waidhaus beheimateten Musiker heizten dem aufgeschlossenen Publikum - darunter alle drei Bürgermeister - einerseits mächtig ein, versetzten es aber zum anderen ebenso in stückchenweise Melancholie oder Träumereien.

Während Andreas Ringholz am Schlagzeug die entsprechenden Rhythmen vorgab, bestimmte der Sound von wiederum drei kreativen Gitarren das hörenswerte Ereignis. Einmal mehr bestimmte den Genuss das umfangreiche Eigenrepertoire der Grenzlandband. Hart, aber auch mal soft sind die Werke, mit der Gitarrist und Chef Dierl als Songwriter den besonderen Stil prägt, der die Musik dieser Band einzigartig macht.

Lange ausgehalten

Christian Schmucker faszinierte mit seiner "Rockröhre" in Begleitung der eigenen Gitarre. Gemeinsam formte das Ensemble einmal mehr jenen Ausdruck, der "One Way" immer wieder so interessant macht. Die gewachsene Fan-Gemeinde honorierte den auftritt mit viel Applaus und langem Durchhaltevermögen.
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