Mit Zuversicht in die Schule

Flüchtlinge kommen zu Tausenden nach Bayern - viele mit schulpflichtigen Kindern. Kultusminister Ludwig Spaenle sieht die Schulen dafür gut gerüstet.

"Wir werden einen guten Start hinlegen", sagte Spaenle vor der Presse in München. Die Zahl der zusätzlichen Kinder und Jugendlichen zum Unterrichtsbeginn am kommenden Dienstag vermochte der Minister nicht zu nennen. Er sprach von einem "Zuwachs im Zehntausender-Bereich" und einer insgesamt "unglaublichen Dynamik". Die Schulverwaltung mit einer am Ministerium eingerichteten Stabsstelle habe sich auf die Herausforderung eingestellt.

Ohnedies hat sich der seit Jahren fortschreitende Schülerrückgang leicht abgeschwächt. Die Gesamtschülerzahl sank nur leicht um 0,4 Prozent auf 1,68 Millionen. Von einer möglichen Trendwende sprach Spaenle an den Grund- und Mittelschulen. Dort starten knapp 630 000 Schüler ins neue Schuljahr - 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings ging die Zahl der Abc-Schützen um 1250 auf 109 300 (-1,1%) zurück. Die Klassenstärken bleiben unverändert.

4000 neue Stellen

Um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen, wurden 4000 Lehrkräfte als Ersatz für ausscheidende Pensionäre eingestellt. Darin inbegriffen sind 1025 Stellen, die wegen der sinkenden Schülerzahl eigentlich hätten gestrichen werden müssen. Damit würden Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des differenzierten Schulwesens ermöglicht, sagte Spaenle. Konkret nannte er den weiteren Ausbau der Ganztagesbetreuung, die Inklusion, die Begabtenförderung und das Pilotprojekt "Mittelstufe plus" an 47 Gymnasien. Das darin enthaltene zusätzliche Schuljahr für Schüler, die mehr individuelle Lernzeit wünschen, soll nach Spaenles Vorstellungen zum Schuljahr 2017/18 flächendeckend eingeführt werden.

Mehr Übergangsklassen

Für Asylbewerber und Flüchtlinge seien die Angebote stark ausgeweitet worden, erklärte Spaenle. So werde die Zahl der Übergangsklassen zur Vorbereitung auf den Regelunterricht von 300 auf 470 erhöht. Dafür würden in zwei Stufen insgesamt 100 Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. 50 weitere sollen für die Ausweitung der Sprachförderung in Deutschlernklassen und -kursen eingesetzt werden. Zunächst 750 000 Euro stellt Spaenle den Grund- und Mittelschulen für die Beschäftigung nebenamtlicher Mitarbeiter oder Experten bereit. An den Berufsschulen werden zudem 440 Integrationsklassen eingerichtet (Vorjahr 180), die binnen zwei Jahren auf eine Berufsausbildung vorbereiten sollen.

Der bayerische Philologenverband (BPV) als Vertreter der Gymnasiallehrer kritisierte die Anstellungspraxis Spaenles. Während überall Lehrer gebraucht würden, habe das Kultusministerium von aktuell 600 frisch ausgebildeten Deutschlehrern nur sechs übernommen. BPV-Vorsitzender Max Schmidt erneuerte seine Forderung nach einer flexiblen Lehrer-Task-Force, der zunächst 100 Lehrkräfte je Regierungsbezirk angehören sollten.

Kritik kam auch aus der Opposition. "Spaenle schätzt die Realität vollkommen falsch ein", sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll. Dass der Minister den 3400 Grund- und Mittelschulen nur 750 000 Euro für zusätzliches Personal zur Verfügung stelle - also im Durchschnitt 220 Euro je Schule -, sei "lächerlich". Thomas Gehring (Grüne) forderte die Einrichtung einer eigenen mobilen Reserve für Flüchtlingskinder.
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