Mobiler Schutzengel

Ob Chemieunfall oder Waldbrand: Über die Katwarn-App gelangen Informationen zu Katastrophen blitzschnell aufs Handy. Rheinland-Pfalz bietet nun als erstes Flächenland die Warnungen an.

Die Sirene aus dem Handy-Lautsprecher dröhnt im Ohr, die Landkarte auf dem Display färbt sich dunkelrot. Wer in diesem Moment sein Handy griffbereit hat, der befindet sich womöglich unweit eines drohenden Chemieunfalls. Das beschriebene Szenario ist zum Glück nur ein Beispiel, der durch die App ausgelöste Alarm nur eine Test. Im Ernstfall kann das smartphone-basierte Katastrophenwarnsystem "Katwarn" aber schon bald Menschen nicht nur in den 30 Städten und Kommunen alarmieren, sondern landesweit. Und dann - wegfahren? Türen verschließen? Eine Nachricht mit konkreten Verhaltenstipps verschickt die App gleich mit.

"Als erstes Bundesland bietet Rheinland-Pfalz seinen Bürgern ein flächendeckendes und sekundenschnelles Warnsystem an, direkt auf das Handy", sagt Niklas Reinhardt, Sprecher des Fraunhofer-Instituts Fokus. Neu ist das System nicht. "Katwarn" - das steht als Abkürzung für Katastrophenwarnung - gibt es seit 2010 und wurde unter anderem mit dem Verband Öffentlicher Versicherer entwickelt. Für Smartphones ging die App zwei Jahre später in den Dienst. Das System sendet ortsbezogene Warnungen kostenlos auf die Mobiltelefone, sofern die Nutzer angemeldet sind. Die App kann bis zu sieben Regionen überwachen. Gehörlose werden mittels Vibration informiert. Bundesweit rund 250 000 Handy-Besitzer nutzen die Anwendung laut Fraunhofer-Institut bereits.

Daten bleiben geschützt

Gewarnt wird bei Großbränden, Atomkatastrophen oder Unwettern. Wer den Ortungsdienst im Smartphone aktiviert, den warnt die "Schutzengel-Funktion". Statt über das GPS-Signal wird der aktuelle Ort aber mittels Funkzellen auf den Endgeräten ermittelt, erklärt Faust. So wird nicht der exakte Aufenthaltsort, sondern ein Radius von einem Kilometer erfasst. Datenschützer sehen deshalb kein Problem.
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