Mobilisierung gegen den Terror
Arm in Arm gegen die Saat der Gewalt

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt hakten sich in Paris beim Marsch gegen den Terror unter - darunter auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (Fünfte von rechts). Bilder: dpa

Die Welt ist in Paris vereint in der Trauer um die jüngsten Opfer islamistischer Gewalt. Die Franzosen flankieren den Protestmarsch mit einer Welle der Solidarität.

Schon Stunden vor dem Marsch gegen den Terror ist der Platz der Republik in Paris schwarz vor Menschen. Nach der islamistischen Gewaltserie der vergangenen Tage wollen Hunderttausende ihre Solidarität mit den Opfern demonstrieren. Dutzende Staats- und Regierungschefs sind zu dem historischen Schweigemarsch gekommen. Sie stellen ihren Schulterschluss mit Frankreich unter Beweis. Paris ist nach wie vor im Ausnahme- und Alarmzustand - es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Netanjahu und Abbas

"Paris ist heute Welthauptstadt - Welthauptstadt der Solidarität und Geschlossenheit", ruft Staatspräsident François Hollande aus, bevor er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einreiht. Hollande und Merkel haken sich kurz ein. Viele internationale Medien sind präsent, wie TV-Kameras auf Kränen und Übertragungswagen zeigen.

Drei oder, je nach Route, dreieinhalb Kilometer sind es, die an diesem Sonntag unter dem teils bewölkten Pariser Himmel zurückgelegt werden. Auf den Dächern wachen Scharfschützen über die Sicherheit der prominenten Demonstranten, Polizei und Militär begleiten die Menge. Die Kanalisation haben sie zuvor auf Bomben kontrolliert.

"Je suis Charlie, policier, juif" (Ich bin Charlie, Polizist, Jude) steht auf dem Schild einer jungen Demonstrantin, die damit gleich an alle Opfer der schlimmen Serie von Attentaten und Geiselnahmen der vergangenen Tage erinnert. Denn in einem koscheren Geschäft fielen vier Menschen einem der drei islamistischen Gewalttäter zum Opfer.

Seitdem geht ein Ruck durch Frankreich, gespeist von Entsetzen und Wut, vom Wunsch nach Anteilnahme und Solidarität. "Ich bin Charlie", das hat sich die Lehrerin Gudrun auf Deutsch für den Marsch gemalt, um sich in den großen Marsch zu der Place de la Nation einzureihen.

"Holt eure Stifte heraus", fordern Schilder in Verbeugung vor den vier Cartoonisten, die neben acht anderen Menschen beim Anschlag auf "Charlie Hebdo" kaltblütig umgebracht worden waren. "Die Franzosen sind stark in solchen Augen- blicken", meint der 18-jährige Xavier Declerck, um ganz differenziert anzufügen: "Nicht der Islam hat uns angegriffen, es sind Terroristen, die uns angegriffen haben."

"Land muss sich erheben"

Trotz wechselhaften Winterwetters fühlen sie sich durch die internationale Solidarität gewärmt. Und diesmal folgen sie ihrem sonst nicht sehr geschätzten sozialistischen Staatschef Hollande, der diese Losung ausgegeben hatte: "Das Land muss sich erheben." Die nationale Einheit, das Zusammenrücken sollten manifestiert werden. Und so gehen auch am Sonntag nicht nur in Paris Hunderttausende "Charlies" auf die Straße, viele mit der französischen Trikolore ganz fest in der Hand.

Im "Hochsicherheitstrakt Paris" kommt es zum Verkehrschaos: Zehn Metro-Stationen sind von vorneherein geschlossen, Zehntausende müssen kilometerweit bis zum Platz laufen, weil die Transportmittel bereits überquellen. In den langen Strom zur Kundgebung haben sich auch der kleine Yves und die kleine Claudine etwas fröstelnd eingereiht. Sie haben sich "Charlie"-Schildchen mit großen roten Herzen gebastelt.

Auch die schwarzen "Charlie"-T-Shirts haben sich schon gut verkauft, von Demonstranten trotzig vorgeführt. Diese Solidaritätsbekundung, die um die ganze Welt gegangen ist, hat sich ein Mann auf die Stirn geschrieben. All das soll heißen: Hier ist ein Land aufgebrochen, in der Hoffnung, dass das nicht gleich wieder abebbt.

Schutz für Redaktionen

Speziellen Schutz genießt an diesem Tag enormer Massenmobilisierung gegen den Terror, wer zu der schreibenden Zunft gehört. Auch kleinere Redaktionen werden von bewaffneten Gendarmen geschützt. "Hoffen wir, dass auf dem Marsch nichts passiert", so entgegnet einer der beiden Ordnungshüter dem Korrespondenten der Deutschen Presse-Agentur, der sich für diese Fürsorge bedankt. Und ihnen dafür zwei Pötte Kaffee bringt.
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