Mordkommission Franken nimmt die Arbeit auf
«Dadord» statt «Tatort»

Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs. Bild: dpa
Berlin. (dpa) Der «Tatort» wird «Dadord» heißen, und auch sonst ist einiges anders bei dem neuen ARD-Sonntagabend-Krimi, den der Bayerische Rundfunk erstmals aus Franken plant. Die Preußenmetropole Berlin stellt eine ihrer angesehensten Schauspielerinnen für das freistaatliche Projekt ab: Dagmar Manzel (56) wird zusammen mit dem gebürtigen Hamburger Fabian Hinrichs (Jahrgang 1974) das Mordkommissariat in Nürnberg leiten. Die beiden kommen gut miteinander klar, sind aber manchmal auch ein bisschen unberechenbar und rabiat.

Für ihn sei nicht die Herkunft der Hauptkommissare wichtig gewesen, sondern ihre schauspielerische Qualität, sagte Regisseur Max Färberböck («Liebestod», «Aimée und Jaguar») am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Projekts vom Bayerischen Rundfunk (BR) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. «Wenn sie nicht selbst aus Nürnberg stammen, ist ihre Neugier umso größer, die Stadt zu erforschen.»

Angesichts der angestammten Rivalität zwischen Oberbayern und Franken ist die Erfindung eines eigenen Franken-«Tatort» ein besonderes Signal an den nördlichen Landesstamm. BR-Intendant Ulrich Wilhelm hatte sich vor zwei Jahren persönlich für das Projekt stark gemacht. Dem eingespielten Münchner Ermittlerteam Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) soll künftig einmal im Jahr aus Franken Paroli geboten werden. Die erste Ausgabe mit dem poetischen Titel «Der Himmel ist ein Platz auf Erden» läuft am 12. April in der ARD.

Dass Dagmar Manzel («Die Unsichtbare»), Vorzeigefrau der großen Berliner Bühnen, sich dafür als Kommissarin Paula Ringelhahn verpflichten lässt, lag früher nicht in ihrem «Dunstkreis», wie sie sagt. Doch das Team und die Entwicklungsmöglichkeiten der Rolle hätten sie fasziniert. «Ich finde es wunderbar, dass ich mich als Berliner Pflanze woanders hinbewege. Ich bin sehr nett aufgenommen worden von den Franken», sagte sie.

Regisseur Färberböck, der auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt sie dafür aus der ostdeutschen Stadt Guben stammen. Schon vor der Wende ist sie «aus Liebe zur Demokratie (nicht zu einem Mann)» in den Westen gegangen. Ihr Co-Kommissar Felix Voss (Hinrichs) stammt wie im echten Leben aus dem hohen Norden, erst über Umwege verschlägt es ihn nach Nürnberg. Er werde in der neuen Rolle jedenfalls nicht an den nervenden Assistenten Gisbert Engelhardt aus dem Münchner «Tatort» mit dem Titel «Der tiefe Schlaf» (2012) erinnern, verspricht Hinrichs.

Die echten Franken im Team stellen dem Regionalbezug jedenfalls schon mal ein gutes Zeugnis aus. «Der Film hat ein sehr großes, sehr liebevolles und sehr offenes Auge für Nürnberg und Franken», sagte die gebürtige Bambergerin Eli Wasserscheid, die als erotisch aktive Kommissarin Wanda Goldwasser auftritt.
Und der Kabarettist Matthias Egersdörfer, der statt des angefragten Kollegen Frank-Markus Barwasser («Erwin Pelzig») den Leiter der Spurensicherung spielt, meinte anerkennend: «Der ganze Film kommt ohne jeden folkloristischen Schmäh aus, das gefällt mir.» Die zuständige BR-Redakteurin Stephanie Heckner hatte dafür eine Erklärung: «Die Franken haben so lange auf ihren «Tatort» gewartet. Jetzt wollen wir ihnen auch etwas richtig Gutes hinstellen.»
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