Morgens Chef, abends Student

Ganz der Banker ist Thorsten Friedl (stehend), wenn er sich in der Schalterhalle seiner Sparkassengeschäftsstelle um die Kundenberatung kümmert. Am Abend und an den Wochenenden sitzt er dann als Student in den Hörsälen der OTH Amberg/Weiden. Bild: sbü

Die Leitung einer Bankfiliale mit 14 Mitarbeitern reicht im Normalfall aus, um einen Menschen komplett zu auszulasten. Doch dieser Chef hat nach der Arbeit noch etwas vor: Er studiert nebenbei an der OTH Amberg/Weiden.

(sbü) Thorsten Friedl leitet seit Februar 2014 die Geschäftsstelle der Sparkasse Amberg-Sulzbach in der Regensburger Straße in Amberg. Er machte den Realschulabschluss, absolvierte dann eine Bankausbildung und bildete sich später zum Bankfachwirt fort. Jetzt ist er auch noch OTH-Student.

Rollentausch ab 16 Uhr

Alltagsbetrieb in der Bank: Friedl trägt einen dunkelblauen Anzug, passende Krawatte und hat das Namensschild am Revers. Zahlreiche Kunden strömen kurz vor der Mittagszeit in die Schalterhalle, fast alle Parkplätze sind besetzt. Keiner der Kunden merkt, dass der Geschäftsstellenleiter am Freitag um16 Uhr in eine ganz andere Rolle schlüpft. Nach Arbeitsende fährt er nach Weiden. Dort sitzt er, nicht mehr ganz so vornehm gekleidet, als Student des Fachs Handels- und Dienstleistungsmanagement zusammen mit 15 anderen Studenten im Hörsaal der OTH. Und dies schon seit sieben Semestern.

Die Vorlesungszeiten für das nebenberufliche Studium liegen freitags von 16 bis 19.15 Uhr und samstags von 8.30 bis 13.30 Uhr. Dazu kommen abendliche Tutorien und die Nacharbeit am Feierabend. "Wenn Prüfungen anstehen, wird es natürlich etwas eng" gibt Friedl zu. "Da muss ich eben Urlaub nehmen". Alle Prüfungen hat er im Erstversuch bestanden. Die regelmäßige mindestens 60-Stunden-Woche lässt "selbstverständlich das soziale Leben etwas leiden", sagt er. Seinen früher ausgeübten Kampfsport habe er weitgehend aufgegeben. Hätte er eine Familie ginge es wohl nicht, meint er und erzählt von einem Familienvater, der zwischenzeitlich das berufsbegleitende Studium abgebrochen hat.

Und dann schwärmt Friedl von seinem Arbeitgeber, der sein Studium auch durch einen Zuschuss zum monatlichen Studiengeld von 330 Euro unterstütze. Obwohl für ein berufsbegleitendes Studium grundsätzlich neun Semester angesetzt seien, werde er schon nach acht Semestern fertig sein. "Ich brauche kein Praxissemester und einige Module aus der Bankfachwirt-Ausbildung werden mir angerechnet". Gegenüber studierenden Abiturienten sieht Friedl Vor- und Nachteile. "Wenn Praxisbezug gefragt ist, bin ich besser, beim wissenschaftlich-systematischen Arbeiten muss ich mich anstrengen." Richtig durchgekämpft habe er sich durch das Tutorium in Mathematik und Statistik.

Jetzt die Bachelor-Arbeit

Dass er karriereorientiert sei, gibt der studierende Banker durchaus zu. "Ich möchte mich von anderen absetzen", sagt er. Das Thema der jetzt anstehenden Bachelor-Arbeit steht auch schon fest. Es komme aus der Sparkassen-Welt und betreffe Methoden der Kundenberatung. Ob er den Weg zur Masterprüfung einschlägt - darüber denkt Friedl noch nach.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sparkasse (9729)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.