"Mühlenviertel" bekommt ein neues Gesicht
Krankengymnastik im Sudhaus

Im ehemaligen Sudhaus will der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner (Mitte) eine 360 Quadratmeter große Praxis betreiben. Äbtissin Laetitia Fech (rechts) hat die neue Baustelle sicher im Griff. Mit Schwester Sophia, die vor ihrem Klosterleben Bauleiterin war, hat sie den passenden Profi im eigenen Haus. Bild: Grüner
Waldsassen. (tr) Als Äbtissin Laetitia dieser Tage beim Konventgespräch das Gesamtkonzept für die neue Nutzung vorstellt, löst sie reihum große Freude aus. "Die frohe Botschaft ist im Haus angekommen." Ende Sommer 2017 sollen die Pläne realisiert sein. "Damit ist die angedachte Behördenverlagerung auf dieses Areal vom Tisch", sagt die Klosterchefin und ergänzt: "Wohlgemerkt nur hier, nicht für Waldsassen generell."

Läuft alles wie geplant, beginnen die Baumaßnahmen im Herbst kommenden Jahres. Zuerst wird das alte Sudhaus generalsaniert. Im Oktober 2016 zieht dort der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner mit seiner Praxis ein. Der Krankengymnast ist in der Region kein Unbekannter und betreibt seit 13 Jahren zusammen mit drei angestellten Therapeuten und einer Rezeptionskraft eine Praxis an der Egerer Straße.

Als Hauptnutzer des Areals ist die Katholische Jugendfürsorge (KJF) der Caritas mit im Boot. Auf dem Gelände des ehemaligen Mühlenviertels mit Sudhaus, "Mühlenkasten" und Schmiede schafft sie etwa 20 betreute Wohnplätze. Die Gespräche laufen seit über vier Jahren. Anfang Dezember setzen sich Vertreter der Landes- und der Bezirksregierung, der KJF, des Klosters und der Stadt an einen ersten runden Tisch, um Möglichkeiten der Finanzierung abzustecken. Da geht es dann um Fragen, wie zum Beispiel, bis wohin baut das Kloster und ab wann übernimmt die Jugendfürsorge oder inwieweit und in welcher Form kann die Städtebauförderung greifen. In der Woche vor Weihnachten lädt die Äbtissin alle Interessierten ins Gästehaus St. Joseph ein, um die Einzelheiten vorzustellen.

Ein Bauabschnitt

Solange die Finanzierung ungeklärt ist, hält sich Mutter Laetitia noch bedeckt, was die Kosten der Maßnahme betrifft. Bis zum runden Tisch wird auch feststehen, in welcher Form der "Mühlenkasten" integriert wird, ob er saniert oder neu gebaut wird. In jedem Fall wird er wesentlich kürzer als jetzt.

Wichtig ist der Ordensfrau, dass es nur einen Bauabschnitt und eine Finanzierung gibt. Beim Projekt der KJF übernimmt die Institution die Gebäude in Erbpacht. So wie das auch mit der Straußenzucht der Familie Frank auf dem Mitterhof hervorragend funktioniert. Anders die Situation bei der Physiotherapie-Praxis. Gerhard Grüner zieht dort als ganz normaler Mieter ein.

"Die Planung für die umfangreichen Maßnahmen liegen wieder in den bewährten Händen des Büros von Dr. Schmid und Kollegen aus Regensburg, mit dem wir bereits als Projektsteuerer beim Gästehaus Sankt Joseph beste Erfahrungen machen konnten", sagt die Äbtissin. "Die Pläne liegen bereit, wenn die Finanzierung steht, beginnt alles zusammen."

Wie so oft im Leben entstand die Idee für eine Physiotherapie-Praxis im ehemaligen Sudhaus eher zufällig. Äbtissin Laetitia ist schon länger Patientin in der Praxis Grüner. Der Inhaber erzählte ihr von Renovierungsplänen seiner bestehenden Räume. "Ich habe dann gesagt, da würde ich erst einmal warten", so die Äbtissin.

"Seit Ostern haben wir die Idee dann immer mehr konkretisiert." Jetzt entsteht auf zwei Ebenen eine helle, barrierefreie und behindertengerechte Praxis auf knapp 360 Quadratmetern mit Parkplätzen vor der Haustüre. Das Barockgebäude hat Eugen Schmid, der von 1724 bis 1744 Abt des Klosters Waldsassen war, erbauen lassen. "Das augenfälligste daran ist ein ausladendes Tonnengewölbe. Ich glaube, das wird ein Traum, da werden die Leute schon halb gesund, wenn sie nur hineingehen", sagt die Äbtissin.

Kooperation mit Gästehaus

Die Praxis arbeitet auch eng mit dem Gästehaus St. Joseph zusammen. Schwester Sophia und Gerhard Grüner haben bereits ein kleines Programm ausgearbeitet, das ab Weihnachten laufen wird.

Nach dem Sprichwort "sich regen bringt Segen" wird dabei die eigene Fitness, zum Beispiel beim richtigen Nordic Walking, verbessert. Die Äbtissin will das zusammen mit dem Konvent auf jeden Fall einmal selbst ausprobieren. Ab Ostern können auch Massagen im Gästehaus in einem speziellen Raum im Dachgeschoss gebucht werden.
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