Multitalent "Ser Guido"

Guido Gottwald aus Velburg handelt nicht nur mit Wein, sonern produziert ihn auch selbst und ist nebenher noch Hobbykoch und Restaurant-Tester. Bilder: hou (2)

Natürlich ist er jederzeit in der Lage, einem Fachpublikum moderat all die Aromen zu erläutern, die sich dann entwickeln, wenn der Wein im Glas ein wenig geschwenkt ist: Grüner Paprika, womöglich auch Düfte von Johannisbeere, Kirsche oder Bitterschokolade.

"Das aber", sagt der Oberpfälzer Guido Gottwald, "muss nicht unbedingt sein." Denn wichtig allein, so fügt er hinzu, "ist doch, dass der Wein schmeckt." Da ist der Preis dann auch eher Nebensache. Guido Gottwald zählt mit seinem in Velburg (Kreis Neumarkt) ansässigen Unternehmen unterdessen zu den zehn bedeutendsten Wein-Brokern in Deutschland. In diesem Geschäft müsste er nicht unbedingt sachkundiger Kenner sein. Ist "Ser Guido", wie man ihn in Fachkreisen nennt, aber seit vielen Jahren. Und von daher weltweit renommiert. Der im Vorjahr verstorbene Vater hatte eine Handel mit Süßwaren. Sohn Guido stieg mit ein. Einen Job bei einer Lolli-Lutscher-Fabrik hatte er, auch bei einem Marzipanhersteller stand der gelernte Konfektionär Guido Gottwald auf der Lohnliste. 1996 ging er ins Weingeschäft, machte seine große Leidenschaft zum Beruf. 40 000 Flaschen wollte er damals im Jahr verkaufen. Heute sind es bis zu 20 Millionen. Deutschland und Österreich sind Gottwalds vorrangige Geschäftsfelder. Doch der Handel, betrieben vom Velburger Industriegebiet aus, reicht auch bis nach Brasilien.

Gottwald und seine Mitarbeiter haben Weingüter und Genossenschaften als Partner, steigen bei Auftragsausschreibungen mit ein. Um die Abwicklung kümmert sich der Chef meist persönlich. Er kennt die Qualitäten an besten, kann empfehlen, beraten und allein schon deshalb Zuschläge erhalten.

Gutes muss nicht teuer sein

"Alles, was unter zwei Euro liegt, kann eigentlich mit Wein wenig zu tun haben", weiß Guido Gottwald aus Erfahrung. Gleichwohl, so hat er ausgemacht, müsse ein guter und trinkbarer Tropfen nicht unbedingt übermäßig ins Geld gehen. Doch um das für den Käufer sicherzustellen, bedürfe es umfangreicher Netzwerke. "Man muss wissen, was gerade wo lagert." Der Mann aus Velburg gilt in der Branche als Multitalent. Er handelt nicht nur mit Weinen, er produziert ihn auch selbst. Seit langer Zeit ist "Ser Guido" (48) an einem Weingut in der italienischen Emilia Romagna als Miteigner beteiligt. Für Furore sorgt seit langem seine Partnerschaft mit Winzer Karl Fritsch aus Wagram in Österreich. Gemeinsam präsentieren sie jährlich die Weinserie "Tausendweiß" und "Tausendrot". Wie schon der Name sagt, kommen jährlich nur immer 1000 Flaschen in Umlauf. Dafür werden nicht selten Preise in vierstelliger Höhe erzielt.

Unlängst hat Guido Gottwald einmal ausgerechnet, dass er an durchschnittlich 180 Tagen im Jahr unterwegs ist. Auch, wenn es um einen Konzern geht, der Wein von ihm kauft und die Flaschen in Tankstellen anbietet. "Ich gehe davon aus, dass es keine Tankstelle in Deutschland gibt, die nicht mindestens eine Weinsorte anbietet, die wir geliefert haben", sagt der Vater zweier erwachsener Kinder.

Die Tochter studiert, der Sohn möchte Pilot werden. Steigt jemand von ihnen irgendwann ins Geschäft mit ein? Gottwald lächelt und sagt dann: "Wenn es so käme, wäre das schön. Doch unbedingt sein muss es nicht." Mulitalent Gottwald: Im Raum Regensburg tritt er als Restaurant-Tester für einen Rundfunksender auf, er hat sich auch als Hobby-Koch einen Namen gemacht. Als jüngst eine große Supermarktkette ein Heft mit dem Titel "Unsere Sterneküche" in millionenfacher Auflage veröffentlichte, war er mit dabei. "Saltimbocca vom Hirschsteak" hat Guido Gottwald als Rezept veröffentlicht und dazu als Wein-Tipp einen "Gran Selecion D. O. 2000" aus Spanien empfohlen.

Gastlichkeit genießen

Weitere Pläne? Guido Gottwald hat Beteiligungen an Weingütern in der Pfalz und in Südafrika ins Auge gefasst. Er will den Internethandel mit "Göttlichen Weinen" über seine Zentrale in Velburg ausbauen und - dies vor allem - mit guten Freunden unterwegs sein, um gute Gastlichkeit zu genießen. Allerdings kann das gerne auch bei ihm daheim im Velburger Privatanwesen sein. Erst ein köstlicher Riesling aus Deutschland, dann ein "Roter" von seinem südafrikanischen Winzer-Freund Georg Kirchner.

Dazu Käse vom Hof des österreichischen Meister-Schnapsbrenners Siegfried Herzog und ein "Nusserl"-Destillat aus dem gleichen Unternehmen. So lässt es sich leben. Ein Leben, wie "Ser Guido" es mag. Bier gehört übrigens nicht dazu. Nur einmal im Jahr greift er traditionell beim Oktoberfest zum Krug.
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