Museumsbahn sorgt in der Fränkischen Schweiz für Festtagsstimmung
Mit Volldampf ins Abenteuer

Das muss man natürlich per Foto festhalten, sonst glaubt es einem ja keiner: Auf der Hinfahrt nach Behringersmühle ist die Lok verkehrtherum (also mit dem Hinterteil voraus) vor den Zug gespannt. Dem Fahrvergnügen der Passagiere tut das aber keinen Abbruch. Bild: ll
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Deutschland und die Welt
07.09.2011
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In der 1. Klasse gäbe es Polstersitze, aber da kommt nie die Atmosphäre auf wie in der Holzklasse, wenn sich langsam die Tür des Waggons öffnet und man schon an zwei Eisenbahnräuber mit Cowboyhut und Knarre in der Hand glaubt. Es ist dann aber nur der gemütliche Schaffner mit seinem Praktikanten.

Der Fantasie und dem Staunen sind keine Grenzen gesetzt, wenn die Dampfbahn Fränkische Schweiz (trotz ihres Namens manchmal auch mit Diesellok) auf den 16 Kilometern ansonsten nicht mehr genutzter Bahnstrecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle das vor lauter Blüten violett leuchtende Wiesenttal erbeben lässt.

Für alle hier ist es ein Festtag, wenn das 80 Jahre alte Dampfross kommt und in frohlockender Lautstärke sein Signal ausstößt. Die bis zu 400 Fahrgäste und die Leute an der Strecke winken sich gegenseitig zu, überall haben sich Fotografen aufgebaut, um die Nostalgie-Bahn zu erwischen, und selbst die Kajakfahrer im Fluss sind begeistert, wenn das altertümliche Gefährt mit bis zu 50 Stundenkilometern an ihnen vorbeizischt. Gehalten wird auf Hin- und Rückfahrt jeweils sechs Mal, zum Teil an Bahnhöfen, die nur noch als Namensschild existieren.

Spaß macht hier alles, was bei der richtigen Bahn während der Fahrt verboten ist: Die Köpfe aus dem Fenster stecken oder sich auf die Brücke zwischen zwei Wagen stellen, sich rausbeugen und die ganze Länge des Zuges fotografieren. Natürlich bekommt man da einiges vom Rauch der Lok ab, aber der Gestank nach Schwefel und verbranntem Öl stört hier genauso wenig wie der eine oder andere Rußfleck, den man sich in den vorderen Waggons einfangen kann. Ist ja schließlich ein Abenteuer.
Da wird so manches alte Eisenbahnerherz weich, wenn der Großvater mit Blick auf die Dampflok dem Enkel sehnsuchtsvoll erklärt: "Wenn der Opa weitergemacht hätte, könnte er jetzt auch da fahren." Dafür bekommt an der Endstation der Lokführer einen Auftrag in alter Bahnerer-Verbundenheit: "... sagst ihm einfach einen Gruß vom Siggi, er weiß dann schon." Irgendwie fährt man hier doch in einer eigenen Welt.
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