Mut mit dem Leben bezahlt

Bürgermeister Alfred Stier (von links), Stadtpfarrer Johann Hofmann, Josef Zant, auf dessen Initiative hin dieser Gedenkstein errichtet wurde, und Stadtrat Johannes Dill nach der Segnung des Denkmals. Bild: bir

Er wollte das Dorf kampflos übergeben. Dann musste er sein eigenes Grab schaufeln und wurde erschossen - acht Tage vor Kriegsende. Nun hat die Stadt Bärnau Lorenz Dill ein Denkmal gesetzt.

Mit einem Gedenkstein würdigte die Stadt den mutigen Einsatz des Hermannsreuther Gastwirts Lorenz Dill, der als Sprecher einer Gruppe von älteren Hermannsreuther Männern die kampflose Übergabe an die amerikanische Armee gefordert hatte.

In vielen Dörfern an der Grenze wurden die amerikanischen Kampftruppen mit weißen Fahnen empfangen. Doch in Hermannsreuth zeigte sich das zusammenbrechende Regime noch einmal von seiner unmenschlichen Seite. Am 29. April 1945 wurde der damals 76-jährige Hermannsreuther Gast- und Landwirt Lorenz Dill von Soldaten der Wehrmacht erschossen.

Unter Artilleriefeuer

Bei der Segnung des Gedenksteins fand der junge Stadtrat Johannes Dill beeindruckende Worte, mit denen er den anwesenden Hermannsreuther und Bärnauer Bürgern die Ereignisse vor 70 Jahren nahe brachte. Am 29. April 1945, so Johannes Dill, näherte sich dieser blutigste Krieg der Menschheitsgeschichte seinem Ende. Der Krieg war verloren, und doch wurde genau an diesem Fleck Europas noch gekämpft. Hermannsreuth wurde beschossen.

Die vorrückenden amerikanischen Truppen hatten das Gebiet westlich des Ortes schon vor dem 29. April besetzt. Nun nahmen sie das Grenzdorf unter Artilleriefeuer, denn ein beträchtlicher Trupp Wehrmachtssoldaten - die Protokolle sprechen von über 150 Mann - hatte sich im Dorf einquartiert.

Dorf als Festung

In der Bevölkerung herrschte Aufregung. Lorenz Dill wollte zusammen mit einigen anderen nicht mit ansehen, wie seine Heimat einem verlorenen Krieg geopfert wird. Die Männer entschlossen sich, zu handeln. Wenige Tage vorher hatte die Wehrmacht die Einwohner angetrieben, das Dorf zur Festung auszubauen. Panzersperren waren errichtet und Minen gelegt worden.

Die Amerikaner standen bereits bei Tirschenreuth und Bärnau, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch am Grenzkamm eintrafen. Und so machte sich eine Handvoll Männer auf den Weg zum befehlshabenden Offizier und bat, das Dorf zu verschonen. Den Männern war bewusst, wie brutal die Soldaten noch ihren Befehlen gehorchten. Schon bei den Schanzarbeiten wurde jedem, der sich zu drücken versuchte, die Todesstrafe angedroht. Lorenz Dill führt mit Franz Haberkorn das Wort. "Ich habe bereits vier Söhne im Krieg und weiß von ihnen nichts, mein Schwiegersohn ist gefallen, und wenn jetzt noch mein Anwesen zusammengeschossen wird, liegt mir nichts mehr am Leben", soll er gesagt haben.

Doch seine Worte stießen auf taube Ohren. Der kommandierende Leutnant bezichtigte in blindem Hass die Männer der Beihilfe zur Fahnenflucht. Den im Hof wartenden Männer warf er Feigheit vor. Es sei ihm egal, wenn der Ort zusammengeschossen werden würde, es wären sowieso alles Schwarze (also: Katholiken), die hier wohnen. Und gekämpft werde bis zum Schluss.

Frau fleht auf Knien

Lorenz Dill ließ man festnehmen und in den nahe gelegenen Bataillonsstab nach Galtenhof bringen. Vergeblich wehrte er sich gegen die Fesseln. Seine Frau Margarethe flehte auf Knien um Verschonung. Doch der Fanatismus der Offiziere war stärker. In den Abendstunden des 29. April musste Lorenz Dill in einem Waldstück bei Galtenhof sein eigenes Grab schaufeln. Dann erschoss man ihn. Nur drei Tage später, am 2. Mai, besetzten alliierte Truppen Hermannsreuth.
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