Mutmaßlicher Millionenbetrüger in Haft - Mittelsmann aus Amberg aktiv
"Diese Woche kommen die Millionen"

Justiz Schild "Angeklagter"
Weiden. (ca) Keine Bange. Alles wird gut. "Jetzt, diese Woche" soll das Wahnsinnsvermögen von Wolfgang S. endlich auf deutsche Konten fließen, sagte am Montag ein Geschädigter vor Gericht. Woher kann er das wissen, wenn doch der mutmaßliche Millionenbetrüger Wolfgang S. seit 18 Monaten in Untersuchungshaft sitzt? Es gibt einen Finanzberater in Amberg, der munter weiter die Kundschaft bei der Stange hält. "Seit der U-Haft regelt alles dieser Mann."

Am Montag war wieder "Grimms Märchenstunde" vor der 1. großen Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold: der 14. Prozesstag gegen den 68-jährigen Deutschen, zuletzt wohnhaft auf Mallorca. Vier Geschädigte sagten aus. Mit dem Unterschied zu bisher, dass diese zumindest teilweise Zweifel hegen. Sie alle hatten vier- bis sechsstellige Beträge beigesteuert, damit S. sein eingefrorenes Tabak-Vermögen aus den USA loseist.

Seit sieben Jahren warten sie auf Rückzahlungen plus Boni. Einer gab 200 000 Dollar mit Aussicht auf eine Million in 8 Banktagen. Es folgte "das Buch der tausend Ausreden", sagte ein Kaufmann (54) aus Oberbayern. Einmal waren Freischaltcodes abgelaufen, einmal hatte sich ein Banker das Bein gebrochen. Seine damalige Lebensgefährtin hatte ihren ganzen Bekanntenkreis um Geld für Wolfgang S. erleichtert. Diese Frau wird demnächst in Rosenheim vernommen. Für die reisefreudige Strafkammer eine kurze Anfahrt (Kasten). Auch der Oberbayer und sein kranker Vater gaben ihren Spargroschen. "Er bräuchte das jetzt fürs Pflegeheim."

"Die Frage, die ich mir andauernd stelle: Ist die Geschichte überhaupt wahr?", schaut der Oberbayer fragend zu den Richtern. Im ganzen Schwurgericht ist davon nur einer felsenfest überzeugt: der Angeklagte. Wolfgang S. nickt mehrfach, als ein Elektriker aus Niederbayern eine Lösung vorbringt, warum die Millionen auf sich warten lassen: "Solange S. in Haft ist, sind ihm die Hände gebunden." In den Augen von S. hat das Gericht keine Ahnung vom Business.

Wie konnten sich Geschäftsleute das Geld so aus der Tasche ziehen lassen? Ein 42-Jähriger aus Berlin war nach Mallorca geladen. Ihm gefiel das "schöne Anwesen", mit seiner Freundin schwamm er "ein bisschen im Pool", beim Kaffee erklärte Wolfgang S. seine Geschäfte. Die Villa, das ist inzwischen klar, war hoch belastet. Die fünf Firmen waren, das ergab ein Schreiben des BKA, alle seit Jahren wegen Nichtvorlage eines Jahresabschlusses gelöscht.
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