Mutmaßlicher Planer der Paris-Attentate tot

Der mutmaßliche Kopf hinter dem Terror von Paris ist nicht mehr am Leben. Doch die Fahndung läuft weiter. Frankreich bleibt im Ausnahmezustand.

Bei dem dramatischen Polizeieinsatz in Saint-Denis am Mittwoch wurde der 28-jährige Belgier Abdelhamid Abaaoud getötet, der als ein Kopf hinter den Anschlägen galt. Der französische Premierminister Manuel Valls bezeichnete ihn als "eines der Gehirne der Anschläge". Weiterhin lief die Suche nach Salah Abdeslam, dem Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris. Acht Menschen wurden bei dem Zugriff nördlich von Paris festgenommen. Zwei Terrorverdächtige starben, neben Abaaoud wahrscheinlich eine Frau, die sich in die Luft sprengte.

In Deutschland kontrolliert

Abaaoud war im vergangenen Jahr auch in Deutschland. Die Bundespolizei kontrollierte ihn am 20. Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn, wie ein Sprecher sagte. Darüber hatte "Spiegel Online" berichtet. Abaaoud soll für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gekämpft haben. Belgien habe Abaaoud damals zur Kontrolle im Schengener Informationssystem ausgeschrieben. Das bedeutet, es war nicht vorgesehen, den Mann aufzuhalten oder festzunehmen. Die Beamten hatten demnach also keinen Grund, Abaaoud die Weiterreise zu untersagen, sagte der Bundespolizei-Sprecher in Potsdam.

Abaaoud habe "eine entscheidende Rolle" bei den Anschlägen gespielt, betonte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Die Ermittlungsarbeit der Polizei werde "die genaue Beteiligung" Abaaouds klären. Möglicherweise sei er in vier weitere teils vereitelte Anschläge verwickelt gewesen.

Die Nationalversammlung verabschiedete in Paris mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz zur dreimonatigen Verlängerung des Ausnahmezustandes. Er gilt seit dem 14. November. Valls hatte zuvor vor weiteren Attentaten gewarnt: "Es kann auch ein Risiko chemischer oder bakteriologischer Waffen geben." Frankreichs Präsident François Hollande will zudem die Luftschläge gegen IS-Stellungen in Syrien und dem Irak ausweiten. Die entsprechenden Anweisungen habe der Staatschef bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts gegeben, teilte der Élyséepalast am Donnerstag mit. In Belgien hat die Polizei unterdessen bei erneuten Antiterror-Razzien im Großraum Brüssel neun Verdächtige verhaftet.

Moskau kommt Paris zuvor

Noch vor einem von Frankreich angekündigten Entwurf hat Russland überraschend eine eigene UN-Resolution gegen die Terrormiliz IS vorgelegt. Das Papier sei für jeden annehmbar, sagte Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin laut einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Tass vom späten Mittwochabend. Kern des russischen Entwurfs ist allerdings eine Zusammenarbeit mit dem Regime in Damaskus unter Machthaber Baschar al-Assad. (Seite 4)
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