Nabburger THW-Spezialist Dietmar Bleistein nach Erdbeben in Kathmandu
Struktur in die Hilfe bringen

Die Hilfe für die Erdbeben-Opfer in Nepal läuft nur langsam an. Grund ist unter anderem die ausbleibende Spendenbereitschaft. Rund 350 Millionen Euro würden benötigt. Bild: dpa
Nabburg. (cv) Zwei Stunden kreiste das Flugzeug über Kathmandu, bis die Maschine mit dem Nabburger THW-Ortsvorsitzenden und drei weiteren deutschen Helfern landen konnte. Das Ziel: die deutsche Botschaft. Der Auftrag: als Bauschadenberater den Zustand der Häuser prüfen, Hilfe koordinieren, zentrale Stellen für die Wasserversorgung aufbauen. Letzteres übernahm dann die SEEWA mit ihrer mobilen Aufbereitungsanlage, "die im gleichen Flieger mitkam", so Bleistein.

Vermisst in den Bergen

In der Botschaft hatte Bleistein den Ansturm von Bundesbürgern zu bewältigen: Trekking-Touristen aus den Bergen, Hotelgäste, die wegen möglicher Nachbeben nicht in ihren Unterkünften bleiben konnten. Die Hilfesuchenden wurden in Zelten untergebracht, mit Essen, dem Notwendigsten versorgt. Dann begann die eigentliche Herausforderung: Wie sollten sie ausgeflogen werden? Hilfsgütertransporte hatten natürlich Vorrang. Es hieß Umbuchen, Kapazitäten anderer Airlines prüfen, Touristen nach dem Ausladen der Hilfsgüter auf Maschinen "setzen". Das Auswärtige Amt hatte einen Krisenstab eingerichtet. Anrufe von Angehörigen gingen hier ein, Suchlisten mussten abgearbeitet werden: Wo könnten sich die Vermissten aufgehalten haben, gibt es ein Lebenszeichen? Hat sie jemand gesehen? Eine aufreibende Arbeit begann: "Datenerhebung, Befragungen, Personalienabgleich. "Das war Puzzlearbeit", erzählt Bleistein.

Logistische Leistung

Wenn die Gesuchten lokalisiert waren, Infos über die Verletzungen vorlagen, lief die Evakuierung an: Das hieß, Hubschrauber organisieren, Verletzte, Traumatisierte ausfliegen. Und das in einem Gebiet "so groß wie der bayerische Alpenanteil, ein Riesenareal wie von Berchtesgaden bis zum Bodensee und in 5000 bis 7000 Metern Höhe". Schwerpunkte waren das Langtang-Tal, die Mount-Everest-Region und die Region Annapurna. Bleistein hatte in dem schwierigen Terrain Flugzeitfenster, Startgenehmigungen abzuklären, Koordinaten zu prüfen. "Oft wurde die ganze Nacht telefoniert, damit am Morgen gestartet werden konnte". Ein Nervenspiel. Parallel war die aus Deutschland eingehende Unterstützung von Hilfsorganisationen wie Maltesern, ISAR Germany und Welthungerhilfe zu koordinieren. Es waren Stützpunkte aufzubauen, sinnvolle Zusammenlegungen der medizinischen Hilfsgüter zu schaffen.

Doch Dietmar Bleistein hat 13 Jahre Krisenerfahrung - weltweit. "Es war eine andere logistische Herausforderung", meint er mit Blick auf das unwegsame Gelände, die zerstörte Infrastruktur, den viel zu kleinen Flughafen. Unter diesen Umständen sei die erste Phase der Hilfe "gut gemeistert worden".

Wie geht es weiter? Der Tempelbezirk -Weltkulturerbe - ist zerstört, auf den Dörfern fehlt noch der Überblick. "In Kathmandu sind - relativ gesehen - noch viele Häuser intakt, so Bleistein. Priorität habe der Aufbau der Wasserversorgung - auch angesichts der Verletzten, die behandelt werden müssen.

Sorge bereitet den Helfern die im Mai beginnende Regenzeit. Kathmandu, Millionenhauptstadt und Ballungszentrum, sei anfällig für Epidemien, die sich hier schnell ausbreiten können. Bleistein befürchtet auch Erdrutsche, die Verblockung von Zufahrtsstraßen.

Wie kann geholfen werden? Für den THW-Experten gibt es zwei Phasen: Zum einen müssen die Menschen unter den jetzigen Umständen erst einmal die Regenzeit überstehen. Und im zweiten Schritt muss die desolate Infrastruktur, die Wasser- und Nahrungsmittelversorgung, müssen sanitäre Einrichtungen wieder aufgebaut werden. In dem bergigen Gelände könne man sich nicht wie bei uns "einen Sack Zement liefern lassen". Die Baumaterialien müssen oft beschwerlich, mit den Händen, in die Berge geschafft werden.

"Das Technische Hilfswerk wird noch drei bis sechs Monate in Nepal sein", schätzt Dietmar Bleistein. Es mache nur Sinn, Hilfsgüter gezielt, mit der entsprechenden Anlaufstelle ins Land zu schaffen. Hilfe braucht System.
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