Nach dem Beben droht Trinkwasser-Notstand

Das Hilfswerk Unicef befürchtet die "Katastrophe nach der Katastrophe". Tage nach dem großen Erdbeben mangelt es in Nepal vor allem an Trinkwasser. Die Kritik an den Hilfen der Regierung wächst.

Wenige Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal gibt es ersten Streit um das lebensnotwendige Trinkwasser. Die ungleiche Verteilung der Hilfsgüter erhöhe das Risiko von Feindseligkeiten zwischen den Bedürftigen, warnte das UN-Büro für Katastrophenhilfe. Das Kinderhilfswerks Unicef mahnte, die Hilfe müsse kräftig ausgeweitet werden, sonst sei eine "Katastrophe nach der Katastrophe" zu befürchten. In Bhaktapur nahe der Hauptstadt Kathmandu hätten derzeit nur 20 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Inmitten von Trümmern und Elend gab es dennoch einen Hoffnungsschimmer: In Nepals Hauptstadt Kathmandu konnten Helfer 82 Stunden nach der Katastrophe einen verschütteten Mann lebend bergen. Die Rettung Überlebender kommt inzwischen aber fast einem Wunder gleich. Die Bergungskräfte ziehen vor allem Tote aus den Trümmern - bis Mittwoch waren es allein in Nepal mehr als 5000. Außerdem seien mindestens 10 000 Menschen verletzt worden, hieß es vom nepalesischen Innenministerium. Hinzu kommen 100 Tote in den Nachbarländern Indien und China. Helfer fürchten, dass die Opferzahl deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen von Helfern erreicht werden.

"Zwei-Klassen-Hilfe"

Helfer berichteten von Ansätzen einer "Zwei-Klassen-Hilfe". "Fakt ist, im Moment werden Touristen bevorzugt behandelt und viele andere fallen hinten runter", sagte Rainer Brockhaus, Präsident des kirchlichen Bündnisses Entwicklung Hilft. "Die Hubschrauber fliegen dorthin, wo sie Geld bekommen." Ähnlich hatten sich in den vergangenen Tagen die Extrembergsteiger und Mount-Everest-Kenner Reinhold Messner (70) und Peter Habeler (72) geäußert.

Auch aus Deutschland mehrt sich Kritik wegen der schlechten Versorgungslage. Der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe mahnte eine bessere Prävention für künftige Katastrophen in dem Himalaya-Staat an. Es müssten Evakuierungsräume geschaffen und Siedlungen gebaut werden, die Erdbeben standhalten können, forderte Christoph Strässer. (Seite 7)
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