Nachbarn entsetzt - Staatsschutz ermittelt
Brand in geplanten Flüchtlingshäusern

Unbekannte haben in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften in Mittelfranken Feuer gelegt. Am Tatort fanden sich Hakenkreuzschmierereien sowie die Botschaft «Kein Asylant in Vorra».
Vorra. (dpa) Unbekannte haben in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften in Mittelfranken Feuer gelegt. Am Tatort fanden sich Hakenkreuzschmierereien sowie die Botschaft «Kein Asylant in Vorra». Der Staatsschutz ermittelt. Da die Gebäude noch leer standen, wurde bei dem Brand niemand verletzt. Allerdings zog sich einer der rund 150 Feuerwehrleute beim Löschen Blessuren zu. Bei Anwohnern und Politikern rief die Tat Entrüstung hervor. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Sicherheitsmaßnahmen in anderen Asylbewerbereinrichtungen im Freistaat verschärfen.

In der Nacht zum Freitag hatten im Ortskern von Vorra im Kreis Nürnberger Land ein ehemaliger Gasthof, ein nahe gelegenes Wohnhaus sowie eine Scheune gebrannt. In die Gebäude sollten in der kommenden Woche Asylbewerber einziehen. «Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt», sagte ein Polizeisprecher.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verurteilte die «schändliche Tat» und betonte: «Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft.» Innenminister Herrmann sagte im Bayerischen Rundfunk: «Entscheidend wird (...) sein, dass wir auf jeden Fall sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in Bayern noch verstärken.» Er ergänzte: «Es ist ganz offensichtlich Brandstiftung und diese Hakenkreuzschmierereien lassen den Verdacht zu, dass es sich hier um rechtsradikale Täter handeln könnte. Wir werden alles tun, um die Täter zu identifizieren.»

Auch Anwohner zeigten sich entsetzt. «Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut», sagte eine Bürgerin. «Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen.» In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf extra ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude saniert und für die Flüchtlinge hergerichtet worden seien. Sie sind nun unbewohnbar - bei dem Brand entstand auch wegen der starken Rauchentwicklung ein Schaden von rund 700 000 Euro.



Europaministerin Beate Merk (CSU) unterstrich: «Wir dulden keine Ausländerfeindlichkeit oder Gewalt gegen Flüchtlinge. Deutschland steht für Flüchtlinge offen und bietet ihnen Schutz.» Die Ministerin verwies mit Blick auf das Bild Deutschlands in der Welt auch auf die negative Wirkung, die solche Vorfälle hätten. «Deswegen müssen wir durch alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen hindurch jetzt unmissverständlich deutlich machen: Deutschland ist ein weltoffenes, gastfreundliches Land, in dem für ausländerfeindliche Wirrköpfe kein Raum sein darf.»

Anfang der 90er Jahre hatten fremdenfeindliche Anschläge etwa in Solingen, Mölln, Rostock und Hoyerswerda das Ansehen Deutschlands schwer beschädigt.

Der Bayerische Flüchtlingsrat erhofft sich nun eine schnelle Aufklärung. «Ich wünsche mir, dass möglichst rasch und intensiv und auch wirklich gegen rechts ermittelt wird», sagte Sprecher Alexander Thal.
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