Nachschlag: Athen bittet um 29 Milliarden Euro

Fünf Jahre haben internationale Partner die Griechen mit ihrem Rettungsschirm vor der Pleite geschützt. Damit ist es nun zunächst vorbei. Die Kassen sind leer, die Ratingagenturen senken den Daumen. Doch der Poker geht weiter.

Athen und Brüssel haben am Dienstag Last-Minute-Vorschläge auf den Tisch gelegt, um die gescheiterten Verhandlungen wiederzubeleben. Griechenland brachte kurz vor Toresschluss ein neues, drittes Hilfsprogramm ins Spiel, das unter anderem neue Finanzhilfen im Umfang von rund 29 Milliarden Euro vorsieht. Dieser Vorschlag wurde am Abend in Brüssel zurückgewiesen.

Brüssel hatte Athen zuvor gedrängt, die Bedingungen der Geldgeber für das auslaufende zweite Hilfsprogramm doch noch in letzter Minute anzunehmen und für ein "Ja" beim Referendum am Sonntag zu werben. Die Finanzminister der Euro-Staaten berieten am Dienstag in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz über den neuen griechischen Hilfsantrag. Dabei kamen die Minister zu dem Schluss, eine kurzfristige Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms und ein Schuldenschnitt seien nicht möglich. Dies hatte der griechische Premier Alexis Tsipras in seinem neuen Hilfsantrag ins Spiel gebracht. In dem Schreiben heißt es, dass Athen die Hilfen nur zur Ablösung fälliger griechischer Schulden im Zeitraum 2015 bis 2017 verwenden will.

Nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel wird Deutschland aber vor dem für Sonntag geplanten Referendum nicht über einen neuen Antrag Griechenlands beraten. "Bevor nicht ein Referendum - so wie es geplant ist - durchgeführt wird, werden wir über gar nichts neu verhandeln", sagte sie vor dem Wirtschaftsflügel der Unionsfraktion im Bundestag in Berlin. Aus Regierungskreisen war zu erfahren, wenn Tsipras die für Sonntag angesetzte Volksabstimmung jedoch absage, könne eine neue Lage entstehen und unter Umständen früher beraten werden. "Das beste wäre, wenn Herr Tsipras das Referendum absagt", erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Rande einer Fraktionssitzung.

In der vergangenen Nacht sollte der Rettungsschirm eingeklappt werden, unter dem Griechenland seit dem Frühjahr 2010 vor der Pleite geschützt ist. Seither hat das Land Hilfszusagen von 240 Milliarden Euro erhalten. (Kommentar und Seite 8)
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