Naheliegende Lösung in Tirol

Der Unterricht in der Internationalen Grundschule in Jungholz (Tirol) findet für Schüler unterschiedlichen Alters in einer Klasse statt. In dieser Schule werden auch die Kinder aus Unterjoch im deutschen Oberallgäu unterrichtet, um ihnen einen langen Schulweg zu ersparen. Bild: dpa

Während in Bayern die Ferien noch etwas dauern, beginnt für die Kinder in Jungholz in Tirol in einigen Tagen wieder die Schule. Das heißt auch für Schüler aus Unterjoch im Allgäu: Ranzen packen. Die deutsch-österreichische Schulkooperation geht ins zweite Jahr.

Nach gut sechs Wochen Sommerferien beginnt in Bayern Mitte September wieder die Schule. Jakob Hillmeier aus Bad Hindelang im Allgäu muss seinen Schulranzen aber schon eine Woche früher schultern. In dem Bergdorf, in dem der Siebenjährige lebt, wurde vor einem Jahr die Schule geschlossen. Rechnen, lesen und schreiben lernt er seitdem im angrenzenden Österreich. Am 8. September beginnt dort wieder der Unterricht.

"Jakob kommt jetzt in die dritte Klasse. Er geht wahnsinnig gerne in die Schule", sagt sein Vater Max. Dass die im benachbarten Tirol liegt, ist für den Bad Hindelanger Kurdirektor kein Problem. Im Gegenteil: "Das ist gelebtes Europa." Lange und vehement haben die Menschen aus dem über 1000 Meter hoch gelegenen Ortsteil Unterjoch darum gekämpft, dass ihre Dorfschule erhalten bleibt. Doch weil in der Zwergschule, in der Erst- bis Viertklässler gemeinsam unterrichtet wurden, die Schülerzahl immer weiter zurückging, wurde sie vom Freistaat Bayern aus Kostengründen geschlossen.

100 Bergkurven

"Diese Entscheidung aus München haben wir sehr bedauert. Unterjoch ist geografisch so abgelegen, dass wir zuerst nicht wussten, wie wir uns helfen sollen", sagt Bad Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin. Die zwölf Kilometer entfernte Grundschule in Bad Hindelang sei von Unterjoch aus nur über den Jochpass mit mehr als 100 engen Bergkurven erreichbar. "Für die Kleinen wäre das eine Tortur gewesen, zumal wir hier oben sehr strenge Winter haben."

Die Lösung für das Problem liegt nur vier Kilometer von Unterjoch entfernt in der Tiroler Gemeinde Jungholz. Die dortige Volksschule, auch eine Einklassenschule für vier Jahrgänge, hat die Kinder aus dem Allgäu aufgenommen. Fünf Mädchen und Buben waren es im vergangenen Schuljahr, im kommenden sind es zwei. "Das hat super funktioniert und wird so weitergeführt. Die Schüler fühlen sich wohl, die Eltern sind zufrieden - wir sind sehr glücklich über diese Lösung", sagt Martin.

Schwierigkeiten wegen des Unterrichtsstoffs, gibt es nicht, so der Bürgermeister. Weil viele Jungholzer Kinder nach der Grundschule weiterführende Schulen im Allgäu besuchen, sei der dortige Lehrplan bereits an den bayerischen angelehnt. Dadurch funktioniere der Übertritt reibungslos. "Aber natürlich werden die Kinder aus Unterjoch jetzt auch Tiroltypisches mitbekommen und lernen, wer Andreas Hofer war. Das ist doch nur gut, Tirol ist so nah."

Max Hillmeier freut sich ebenfalls über die Lösung: "Dass man so kooperiert im Grenzgebiet, ist einfach toll." Am besten gefällt ihm, dass sein Sohn Jakob in Jungholz eine Einklassenschule besuchen kann, in der er mit jüngeren und älteren Kindern zusammen ist. "Dieses Modell finde ich hervorragend, weil es die sozialen Fähigkeiten der Schüler ungemein fördert. Sie lernen Teamarbeit, Rücksichtnahme und Verantwortung." Jakob habe in Jungholz einen tollen Lehrer und neue Freunde gefunden.

Auch in Tirol ist die Begeisterung nach dem ersten gemeinsamen Schuljahr groß. "Es ist hervorragend gelaufen und ein Gewinn für beide Seiten", sagt Bernhard Eggel, Bürgermeister von Jungholz. Durch die Schüler aus Unterjoch konnte die Klassenstärke erhöht werden.

Kindergarten in Bayern

Nach Angaben der Bürgermeister soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Geplant ist, Kinder aus Jungholz ab dem neuen Kindergartenjahr zur Betreuung nach Unterjoch zu bringen. "Wir haben nur noch zwei Kinder, die derzeit den Kindergarten besuchen. Wir mussten ihn deshalb vor den Ferien schließen", sagt Eggel. Dass die Kleinen jetzt jeden Morgen die vier Kilometer nach Bayern gebracht werden müssen, sei kein Problem. "Da müssen manche Eltern in einer Großstadt weiter fahren."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.