Nato berät über Hilfen für die Türkei

Die Luftangriffe der Türkei treffen nicht nur die Terrormiliz IS, sondern auch die kurdische PKK. Das löst in Deutschland und Europa eine Debatte aus - über "gute" und "schlechte" Kurden. Und es hagelt Mahnungen an Ankara.

Nach Luftangriffen gegen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak ist die Situation in der Türkei angespannt. Auf Antrag des Landes kommen deshalb Morgen in Brüssel die Botschafter der 28 Nato-Staaten zusammen. Das Land habe Beratungen nach Artikel 4 des Nato-Vertrages beantragt, teilte das Bündnis am Sonntag in Brüssel mit. Dieser sieht Beratungen vor, wenn ein Nato-Mitglied meint, dass die Unversehrtheit seines Territoriums, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht ist. "Die Türkei hat das Treffen angesichts des Ernstes der Lage nach den abscheulichen Terror-Angriffen der letzten Tage verlangt", teilte die Nato mit. Zudem wolle die Regierung ihre Verbündeten über die eigenen Gegenmaßnahmen informieren.

Die türkischen Luftangriffe gegen PKK-Lager heizen den Kurdenkonflikt wieder an. Die brüchige Waffenruhe ist beendet. Die PKK erklärte am Samstag, die vor zwei Jahren ausgerufene Waffenruhe sei nicht mehr von Bedeutung. Am Wochenende kam es erneut zu Anschlägen auf Sicherheitskräfte und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Autobombenanschlag am Sonntag, bei dem in der Provinz Diyarbakir zwei türkische Soldaten getötet und vier weitere verletzt wurden, wurde von türkischer Seite der PKK angelastet.

Die Europäische Union ermahnte die Türkei, den Friedensprozess mit den Kurden fortzuführen. "Jede Handlung sollte das Risiko vermeiden, die Waffenruhe und den kurdischen Friedensprozess zu gefährden", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die türkische Regierung habe seit Jahren "Mut, feste Entschlossenheit und Weisheit bewiesen" und sich für eine politische Lösung des Konflikts eingesetzt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an die türkische Regierung, im Kampf gegen den Terrorismus nicht den Friedensprozess mit den Kurden aufzugeben. Trotz aller Schwierigkeiten solle daran festgehalten werden, sagte sie am Sonntag in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu. Deutschland unterstützt die kurdische Autonomieregierung im Nordirak mit Waffen und Ausbildern im Kampf gegen IS.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.