Neue Ermittlungen

Eine Bombe, 13 Tote und über 200 Verletzte - die Opfer sind friedliche Besucher des Oktoberfests von 1980. Wer hat Interesse an einer solchen Tat? Es gibt zahlreiche Ungereimtheiten - und Hinweise auf mögliche Ermittlungspannen.

Ein rechtsradikaler Waffensammler, der sich in seiner Zelle erhängt. Eine abgerissene Hand, deren Verbleib nicht ganz sicher ist. Amtlicherseits vernichtete Beweismittel. Um das Münchener Oktoberfest-Attentat von 1980 mäandert ein Wirrwarr von einzelnen Fakten, mysteriösen Vorkommnissen, Spekulationen. Manches lässt Ermittlungspannen befürchten. Nach fast 34 Jahren werden nun die Akten geöffnet.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt neu. Mit einem raschen Ergebnis ist nicht rechnen. Dabei dürfte neben der Frage nach weiteren Tätern und deren Motiv eine weitere wichtig sein: Haben die Ermittler damals versagt und - wie bei den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds - neonazistische Hintergründe nicht ausreichend geprüft, wenn nicht gar verschleiert? Von Vertuschungen spricht zumindest der Opferanwalt Werner Dietrich, der die Ermittlungen nun wieder ins Rollen brachte. Auch die Recherchen des BR-Journalisten Ulrich Chaussy befeuern solche Vermutungen. Woher kam der Sprengstoff, TNT? Eine scheinbar spektakuläre Aussage gab es dazu im Jahr 2013: Ein Mann behauptete, sein Vater sei als BND-Agent an der Beschaffung des Sprengstoffs beteiligt gewesen. Die Bundesanwaltschaft prüfte, die Angaben führten aber nicht weiter. Eine andere These: Ein rechtsradikaler Waffensammler und möglicher Zeuge könnte Verbindungen zum Verfassungsschutz gehabt haben. Dieser Mann beging 1981 in der Zelle Selbstmord - am Tag bevor er befragt werden sollte.

Ungeprüfte Aussagen

Ungeprüft blieben damals auch Beobachtungen einer Frau, die nun zur Wiederaufnahme der Ermittlungen beitrugen. Sie hatte am Tag nach dem Attentat im Spind eines Rechtsradikalen Flugblätter gefunden, die den Attentäter Gundolf Köhler als Helden stilisieren - obwohl zu dem Zeitpunkt sein Name noch nicht öffentlich bekannt war. Damals wurde die Frau laut Dietrich schon bei der Polizei abgewimmelt. Jetzt gilt sie als wesentliche Zeugin.
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