Neue Masten niedriger

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Die "Gleichstrompassage Südost" wird komplett neu geplant. Das ist das Ergebnis des Koalitionsgipfels von Mittwochnacht. "Sämtliche Monstertrassen sind vom Tisch", erklärte Ministerpräsident Horst Seehofer. Nach der Vereinbarung wird die zur Versorgung Bayerns nach der Abschaltung der Atomkraftwerke 2022 benötigte Stromleitung nicht wie ursprünglich geplant im schwäbischen Meitingen enden, sondern bei Landshut. Die Südost-Passage wird damit deutlich kürzer.

Wie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte, sollen die Leitungen "vorrangig" als Erdkabel verlegt werden. Dort wo dies nicht möglich oder sinnvoll sei, wolle man bestehende Hochspannungsnetze nutzen. Über den genauen Trassenverlauf zwischen der Landesgrenze zu Thüringen und dem neuen Endpunkt bei Landshut wollte sich Aigner noch nicht äußern. "Die Planung muss jetzt neu gemacht werden", sagte sie. Eine naheliegende Variante scheint aber die Nutzung des bestehenden "Ostbayernrings" von Redwitz im Landkreis Lichtenfels nach Schwandorf. Dieser soll ohnehin ausgebaut und verstärkt werden.



Die Leitung tritt östlich von Marktredwitz bei Konnersreuth in die Oberpfalz ein und führt über Mitterteich, Falkenberg und Windischeschenbach nach Etzenricht bei Weiden und von dort weitgehend entlang der Naab und der A93 nach Schwandorf. Von dort gibt es eine weitere Bestandsleitung über Deggendorf nach Landshut. Gegen die Nutzung des Ostbayernrings als Bestandstrasse für die Südost-Verbindung ging der Tirschenreuther CSU-Abgeordnete Tobias Reiß auf die Barrikaden. Diesen zur Gleichstromtrasse aufzurüsten, sei "technisch nicht möglich, ohne aus dem Ostbayernring eine Monstertrasse mit über 80 Meter hohen Masten zu machen". Dies werde er nicht akzeptieren. Die Nutzung des Ostbayernrings wäre ein klarer Verstoß gegen die Vereinbarung, die Bürger ernst zu nehmen. Ein Indiz für die Nutzung des Ostbayernrings ist die Erklärung Aigners, in Oberfranken müssten rund 30 Kilometer neue Freileitung gebaut werden, die einzigen in ganz Bayern. Grund sei die nötige Verbindung zwischen den Bestandsnetzen in Thüringen und Nordbayern. Beim Bau setzt Aigner auf die Nutzung neuartiger Masten, die mit rund 45 Metern Höhe deutlich niedriger seien als in den bisherigen Planungen.

Der Vorrang für die Erdverkabelung wird nach Angaben Aigners bundesweit zu Mehrkosten beim Stromnetzausbau von elf Milliarden Euro führen. Das sind rund 40 Prozent mehr als bisher veranschlagt. Auf den Strompreis umgerechnet bedeute dies, dass sich die Kilowattstunde Strom um 0,1 Cent verteuern werde, so Aigner weiter. "Wenn man den Nutzen sieht, ist das nicht viel", sagte sie.

Neu trassiert wird auch der sogenannte "Südlink" nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. Die Koalitionsspitzen vereinbarten eine rund 60 Kilometer lange Stichtrasse, die von der um Bayern herumgeführten "Südlink"-Stammstrecke abzweigen soll. Die zu erwartenden Widerstände aus Hessen und Baden-Württemberg soll Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ausräumen.

BI: "Das ist Verdummung"

Seehofer zeigte sich mit den nun gefundenen Lösungen "rundum zufrieden". Dass der Bau der "Monstertrassen" habe verhindert werden können, sei ein "Riesenerfolg". Bei den Bürgerinitiativen gegen den Trassenausbau war die Enttäuschung groß. "Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden", urteilte der Sprecher einer Bürgerinitiative in der Oberpfalz, Ulrich Hampel. Diese Einigung als Erfolg zu verkünden, sei eine "Verdummung der Bevölkerung". (Kommentar und Seite 3)
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