Neue Sex-Vorwürfe gegen Diensthundeführer in Herzogau
"Es gibt noch ungeklärte Fragen"

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Nach einer weiteren anonymen Anzeige mit Sex-Vorwürfen ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg erneut wegen möglicher Straftaten in der umstrittenen Polizeihundeschule Herzogau. In einem anonymen Schreiben werde einem Diensthundeführer sexuelle Nötigung vorgeworfen, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch im Landtag.

Bei den ersten drei Zeugenvernehmungen hätten sich Polizistinnen jedoch "eher positiv" über den Mann geäußert, meinte Herrmann. Der Innenminister betonte, alle Vorwürfe würden rückhaltlos aufgeklärt. Die Landtags-Grünen forderten die Schließung der Hundeschule. Das lehnten sowohl die CSU wie auch die SPD ab.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird dem namentlich genannten Hundeführer in der Anzeige unter anderem vorgeworfen, eine Kollegin zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Das Schreiben sei den Ermittlern vom Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg weitergegeben worden, sagte der Regensburger Oberstaatsanwalt Edgar Zach. Zu den weiteren in dem Brief genannten Vorwürfen machten die Ermittler keine Angaben.

Herrmann betonte, bei dem Mann handle es sich um einen externen Diensthundeführer und nicht einen bei der Hundeschule beschäftigten Ausbilder. Die Staatsanwaltschaft hatte ein erstes Ermittlungsverfahren am vergangenen Freitag eingestellt, da es nach Angaben Herrmanns keine Anzeichen für Straftaten gab. Mehreren Ausbildern waren in einem ersten anonymen Schreiben sexuelle Nötigung, Alkoholexzesse und die Einladung von Prostituierten in der Hundeschule vorgeworfen worden. Die bislang dazu befragten 15 Diensthundeführerinnen hätten diese Vorwürfe aber nicht bestätigt, sagte Herrmann.

Die dienstrechtliche Prüfung laufe weiter. "Es gibt noch ungeklärte Fragen", räumte der CSU-Politiker ein. "Weitere Vernehmungen werden folgen." Sollten sich Anhaltspunkte für Fehlverhalten geben, würden diese rückhaltlos aufgeklärt. "Es wird nichts unter den Tisch gekehrt. Aber wir werden auch nicht zulassen, dass der hervorragende Ruf der bayerischen Polizistinnen und Polizisten in Mitleidenschaft gezogen wird."

Alle drei Fraktionen unterstützten das Verbot der "Erstlingshundeführertaufen", bei denen an Hundeleinen gebundene Polizisten aus Hundenäpfen getrunken hatten. "Es muss jeder Anschein vermieden werden, dass die Menschenwürde verletzt wird", sagte Herrmann. Der SPD-Abgeordnete Stefan Schuster sagte, es handle sich um "unglaubliche, absolut inakzeptable Vorkommnisse". Es bestehe die Gefahr, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Polizei verliere. Eine Schließung der Hundeschule lehnte die SPD ab. "Es geht nicht um Schließung, sondern um Aufklärung und Prävention."

Die Grünen-Innenexpertin Christine Kamm warf dem Innenministerium "Untätigkeit und Unkenntnis" vor. "Wir brauchen insgesamt eine Änderung der Führung der Polizei." Es seien auch längst nicht alle Vorwürfe aus der Welt geräumt. "Es ist nicht aufgeklärt, ob es zu rechtsextremen Äußerungen gekommen ist." Kamm kritisierte zudem die Kasernierung der angehenden Hundeführer in Herzogau.

Landtagsvizepräsident Peter Paul Gantzer (SPD) warf der Staatsregierung vor, die Dienstaufsicht habe nicht funktioniert. "Die waren völlig auf sich allein gestellt, die konnten machen, was sie wollten."
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