Neue Variante im Trassen-Streit

Monatelang dauert die Auseinandersetzung um die Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland schon. Jetzt hat der Chef der Betreibergesellschaft 50Hertz eine neue Variante ins Spiel gebracht: Die Leitungen könnten auch ganz anders verlegt werden.

Die geplante Hochspannungsleitung von Sachsen-Anhalt durch Thüringen nach Bayern könnte über bereits bestehende Trassen führen. Der Chef der Betreibergesellschaft 50Hertz, Boris Schucht, kündigte am Montag an, die Variante mit ins Genehmigungsverfahren für die Gleichstromtrasse zu nehmen.

Technisches Neuland

"Das ist technisches Neuland, das wir betreten", sagte Schucht. Er wolle jedoch keine weiteren Verzögerungen bei dem Vorhaben, das neben zwei weiteren Trassen in Westdeutschland als zentral für die Energiewende in Deutschland gilt. Ziel ist es, Windstrom aus Norddeutschland zu den großen Verbrauchern im Süden zu bringen. Die Trasse soll in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt beginnen, durch Teile der nördlichen Oberpfalz führen und im schwäbischen Gundremmingen enden. "Gleichstrom und Wechselstrom auf einem Mast, das geht immer nur dort, wo Sie Masten haben, die noch nicht voll besetzt sind", sagte Schucht. Zu erwarten ist, dass teils bestehende Masten durch höhere ersetzt werden müssen. Alternativen seien neue Trassen an Autobahnen und Bahntrassen oder unterirdische Kabel. Schucht sagte, man traue sich die innovative Lösung zu, "die dazu führen könnte, dass man vorzugsweise bestehende Trassen nutzt". Das habe er Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow mitgeteilt.

26 Euro mehr pro Haushalt

Ohne die neuen Leitungen würde Energie in Süddeutschland auf längere Sicht teurer, betonte Schucht. Nach Berechnungen des Unternehmens könnte in Bayern und Baden-Württemberg bei einem Verzicht auf die Gleichstromtrassen der Strom sechs Euro mehr pro Megawattstunde kosten. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch entspräche das in einem Vier-Personen-Haushalt Mehrkosten von gut 26 Euro pro Jahr. Möglich sei Schucht zufolge auf lange Sicht ein Preisunterschied von bis zu 30 Prozent zwischen Nord- und Süddeutschland.
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