Neues Standbein für den BMW-Standort Wackersdorf
Motorrad in der Box

Nicht nur Automobile, sondern ab Juli auch BMW-Motorräder werden aus Wackersdorf in Einzelteilen an internationale Montagewerke geliefert. Mit "Bike in the Box" hat die BMW-Auslandsverpackung im Innovationspark dazu ein neues Verfahren entwickelt, wie der Leiter Verpackungsbetrieb Stephan Duscher und Standortchef Tomas Dose (hinten, von rechts) erläuterten. Die Teile für jeweils ein BMW-Motorrad werden in einer großen Schachtel verpackt - genau so, wie sie später für die Montage benötigt werden. Bild: Götz
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Deutschland und die Welt
12.06.2015
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Wackersdorf. Neues Standbein für den BMW-Standort Wackersdorf: "Bike in the Box" heißt das Stichwort. Motorräder werden künftig aus dem Innovationspark in Einzelteilen in Montagewerke in Südamerika und Asien geliefert. "Da steckt viel Hirnschmalz drin," sagt Standortleiter Thomas Dose.

Es klingt simpel: Man nehme die Teile für ein BMW-Motorrad gehört, verpacke es in Schachteln und Container schicke es in die weite Welt. Doch die Logistik, die hinter dem Fachbegriff "Complete knocked down" (CKD, komplett zerlegt) steckt, ist enorm. Was die Verpackung von kompletten "Automobil-Bausätzen" zur Montage angeht, sei der Standort Wackersdorf weit vorn, sagte Dose, im Gespräch mit unserer Zeitung Der Prozess soll immer flüssiger werden. Das Ziel: Die zugelieferten Einzelteile landen mit wenig möglichst Zwischenschritten in den Containern. Die Montagewerke sollen dann die Teile mit möglichst wenig Aufwand verarbeiten können. "Bike in the Box", also das "Motorrad in der Schachtel" ist ein Projekt, das auf lange Sicht auch für Autos genutzt werden soll. Die Prozesse dazu werden in Wackersdorf entwickelt. Erstaunlich dabei: Die Entwicklung entfernt sich von der Automatisierung und setzt auf Handarbeit.

Beste Qualitätswerte

Das in einem Hochlohnland? "Wir haben hier große Qualitätsvorteile", sagt Dose. Qualität bedeutet, dass die richtigen Teile unbeschädigt und vollzählig in der Montage ankommen. Sonst hakt es in den Werken. Die Wackersdorfer haben es geschafft, dass 99,6 Prozent der Lieferungen fehlerlos sind. "Darauf bin ich sehr stolz," sagt Dose.

Mit dem Konzept "Bike in the Box" geht der Service aus Wackersdorf so weit, dass die Schachteln in Lagen so gepackt sind, wie die Teile später auf einem Montagewagen fachweise aufgeschlichtet werden. Der Rollwagen "wandert" mit dem entstehenden Motorrad mit von Station zu Station, jeder Mitarbeiter bedient sich. In Manaus in Brasilien fertigt ein Dienstleister für BMW die Motorräder, in Thailand nahe Bangkok steht ein BMW-Montagewerk.

Für die Entwicklung der neuen Prozesse stehen im Innovationspark 4000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Dort sieht es ein bisschen aus wie in einem leeren Discounter. "Supermarkt" haben die Verantwortlichen mit dem Leiter Verpackungsbetrieb Stephan Duscher an der Spitze die Reihen mit Regalwägen getauft. Die Mitarbeiter werden anhand eines Auftrags aus diesen Regalen die Einzelteile nehmen, kontrollieren und verpacken. Schachtel für Schachtel landet so schließlich in der Box. 36 Boxen finden in den großen Schiffscontainern Platz, die von Wackersdorf aus per Bahn an die großen Überseehäfen gebracht werden. Derzeit verlassen täglich etwa 50 bis 70 Container mit Autos das Anschlussgleis. Die ersten "Bikes in the Box" sollen Wackersdorf im Juli verlassen. Noch wird der Verpackungsprozess getestet. Wenn der Prozess flüssig läuft, wird er schließlich als Referenz in die "reale" Verpackung übernommen. Rund 280 Stammkräfte, dazu etwa 300 Leiharbeiter sind in der Auslandsverpackung in Wackersdorf beschäftigt. Mit den Logistikdienstleistern kommen so etwa 1000 Arbeitsplätze zusammen, die mit der Auslandsverpackung in Wackersdorf zusammen hängen. Je nach Marktlage sei das Geschäft schwankend, sagt Dose. Mit dem zusätzlichen Standbein sieht Dose die BMW-Arbeitsplätze im Innovationspark gesichert.

Weniger Einfuhrzoll

Warum liefert BMW nicht gleich komplette Motorräder nach Thailand oder Brasilien? Das liegt an den Einfuhrzöllen. Für die "Bausätze" werden in den belieferten Ländern weniger Abgaben fällig, weil ein Teil der Wertschöpfung in den Montagewerken geschieht. BMW nutzt deshalb - wie andere Hersteller auch - den CKD-Export, vor allem auch zum Eintritt in neue Märkte.
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