Nicht voreilig handeln
Angemerkt

Schnelligkeit vor Sicherheit und Verlässlichkeit. Der tragische Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich führt zu schnellen Reaktionen - zu überschnellen. Das Zwei-Mann-Prinzip im Cockpit. Es mag die Hemmschwelle für Einzelgänge eines Piloten verhindern. Ganz ausschließen kann es sie nicht.

Nun steht die Forderung im Raum, die Schweigepflicht für Ärzte zu lockern. Im konkreten Fall des Co-Piloten des Germanwings-Flugs hätte eine solche Regelung das Unglück womöglich verhindert. Wenn man wirklich die statistisch gesehen ohnehin sichere Luftfahrt noch sicherer machen will, täte man gut daran, die endgültigen Ergebnisse der Untersuchungen abzuwarten. Auch wenn alles auf Depressionen des Piloten hindeutet - 100-prozentig erwiesen ist das nicht.

Vorverurteilungen und vorschnelle Reaktionen helfen wenig. Warum etwa sollten seit Jahrzehnten geltende und bewährte Grundsätze wie die ärztliche Schweigepflicht wegen eines Einzelfalles aufgegeben werden - auch wenn dieser besonders tragisch ist? Warum sollten die Persönlichkeitsrechte von Tausenden eingeschränkt werden? Keine noch so gute, keine noch so ausgeklügelte Regelung kann auf immer und ewig jede erdenkliche Kurzschlusshandlung ausschließen.

Kurz notiert Untersuchung in alle Richtungen

Düsseldorf/Paris. (dpa) In der Düsseldorfer Sonderkommission "Alpen" beschäftigen sich aktuell etwa 100 Ermittler mit dem Absturz der Airbus-Maschine, die am vergangenen Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einer Felswand zerschellte. Wie aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders hervorgeht, war der Pilot zu diesem Zeitpunkt aus dem Cockpit ausgesperrt. Die französischen Ermittler konzentrieren sich deshalb auf den 27-jährigen Copiloten, untersuchen aber weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts.

Die Ermittler haben seit Montag auch Zugriff auf Krankenhaus-Akten über den Copiloten, wie eine Sprecherin des Uniklinikums Düsseldorf sagte. Der Copilot, der aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur stammte, war vor einigen Wochen als Patient an die Klinik gekommen. Dabei ging es den Angaben zufolge um "diagnostische Abklärungen", die aber bislang offiziell nicht näher erläutert wurden. Für Berichte, wonach der Mann auch an Sehstörungen gelitten haben soll, war bislang keine Bestätigung zu erhalten.
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