Notger Slenczka stellt Zugehörigkeit des Alten Testaments in Frage
Zwischen Disput und Einigkeit

Irmgard Schwaetzer, die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, will sich bei der Synode der evangelischen Kirchen in Würzburg erneut zur Wahl stellen. Bild: dpa

Die obersten Entscheidungsgremien der Evangelischen Kirche in Deutschland haben in Würzburg Beratungen aufgenommen. Die Kirchenparlamente fällten erste Personalentscheidungen. Für Wirbel sorgte der Berliner Theologe Slenczka.

Mit einem Gottesdienst begann am Donnerstag die Synodentagung der evangelischen Kirchen in Würzburg. Die 120 Mitglieder zählende EKD-Synode wird am Samstag ihr Präsidium mit sieben Mitgliedern neu wählen. Seit 2013 stand die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer (73) als Präses an der Spitze.

Der Berliner Theologieprofessor Notger Slenczka sorgte für Wirbel, als er die Zugehörigkeit des Alten Testaments zum biblischen Kanon infrage stellte. Der kurhessische evangelische Bischof Martin Hein warnte vor einer Skandalisierung. Die provokante These müsse wissenschaftlich und kirchlich abgewiesen werden, sagte der Bischof am Freitag. "Ohne das Alte Testament können wir das Neue Testament nicht verstehen", ergänzte Hein. Die christliche Liturgie etwa lebe ganz wesentlich von den Psalmen des Alten Testamentes. Auf den bereits 2013 erscheinen Beitrag Slenczkas habe es in der wissenschaftlichen Theologie kaum Reaktionen gegeben, sagte Hein. Das zeige, dass es sich bei Slenczkas Ausführungen um eine Einzelmeinung handele.

Zu mehr Einigkeit

Unterdessen sind erste Personalentscheidungen gefallen. Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Wilfried Hartmann (73) wurde als Präsident der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) wiedergewählt. Zur Stellvertreterin Hartmanns wurde die bayerische Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk aus Marktbreit neu gewählt. Im Amt bestätigt wurde der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad (57) als Vorsitzender der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Schad sagte vor der Vollkonferenz, er wolle sich für eine "ausstrahlungsstarke evangelische Kirche" einsetzen. "Dass wir als lutherische, reformierte und unierte Landeskirchen gemeinsam evangelische Kirche sind, darum geht es!" Es wäre verfehlt, der "Bekenntnisdifferenz" in der Kirchenorganisation mehr Bedeutung als unbedingt nötig zuzumessen, warb Schad für eine vertiefte Zusammenarbeit in der EKD. Der Leitende Bischof der Lutheraner, Gerhard Ulrich, sieht das Verbindungsmodell auf einem "sehr guten Weg". Es soll das Zusammenwirken der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen stärken.

Bedford-Strohm berichtet

Ebenfalls an diesem Samstag wird der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm einen Bericht zu aktuellen Themen in Kirche und Gesellschaft vorlegen. Der 55-jährige Theologe ist seit November vergangenen Jahres oberster Repräsentant der mehr als 23 Millionen evangelischen Christen in Deutschland.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
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