Notlage bewegt Menschen zu Flut von Sachspenden
Welle der Hilfsbereitschaft

In einer Wohnung im ersten Stock dieses Hauses im Zentrum von Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf) brach am Samstag ein Brand aus, der eine dort lebende Frau und ihre behinderte Tochter obdachlos machte. Die beiden werden derzeit von einer Welle an Solidarität und großer Hilfsbereitschaft getragen. Bild: Dobler
Schwarzenfeld. (td) Marianne Kraft ist fassungslos - vor Freude. Nachdem die Wohnung ihrer Nichte am Samstag durch einen Brand zerstört wurde, managt die 63-Jährige Schwarzenfelderin derzeit eine Flut an Sachspenden. "Es gibt so viele gute Menschen", versichert die Rentnerin glücklich.
Der Landkreis Schwandorf erlebt seit einigen Wochen eine Häufung an Wohnhausbränden. Schwarzach, Schönsee und Schwandorf selbst waren betroffen, am Samstag zerstörten nun die Flammen ein Haus im Zentrum von Schwarzenfeld. Auslöser war ein Ölofenbrand im ersten Stock.

In der dortigen Wohnung lebten eine 40-jährige Frau und ihre 17-jährige, behinderte Tochter. Deren gesamtes Hab und Gut wurde durch das Feuer vernichtet. "Sie sind mit buchstäblich nichts herausgekommen", berichtet Bürgermeister Manfred Rodde, der sofort zum Ort des Geschehens geeilt war und Mutter und Tochter kurz darauf auch in der Intensivstation des Schwandorfer Krankenhauses besucht hat. Dort standen die beiden zwei Tage unter Beobachtung.

Schnell sprach sich die Notlage der beiden Betroffenen herum. Pfarrer Heinrich Rosner wies beim Festgottesdienst der Schwarzenfelder Feuerwehr, der zufällig am gleichen Tag stattfand, noch einmal darauf hin. Über Facebook verbreitete sich die Kunde ebenfalls in Windeseile, wobei dafür auch der Facebook-Auftritt des Oberpfalznetzes genutzt wurde. "Wer was hat oder spenden will. Bitte melden!" lautete die Botschaft, die auf zahlreiche offene Ohren traf und trifft.

Seitdem steht das Telefon von Marianne Kraft nicht mehr still. Am Montag saß sie bis spät in die Nacht und notierte Hilfsangebote von Privatleuten - von Küchengeräten bis hin zu Betten. Zwischendurch tröstete sie ihre Nichte und versuchte, sie seelisch wieder aufzurichten. Denn die 40-Jährige ist am Boden zerstört, muss immer wieder weinen.

"Es tut mir leid, dass diese einfachen Leute solche Schicksalsschläge haben", zeigt auch Bürgermeister Rodde Mitleid. Sehr schnell hat er dafür gesorgt, dass Mutter und Tochter wenigstens übergangsweise eine Ersatzwohnung erhalten. Die beiden sind nach dem kurzzeitigen Krankenhausaufenthalt bei Verwandten in der Region untergekommen, während Tante Marianne Kraft in unermüdlichem Einsatz für die erste Ausstattung der Übergangswohnung sorgte.

Erleichtert über die Hilfsbereitschaft ist auch Robert Kostner, dessen Fahrradgeschäft im Erdgeschoss zwar nicht brannte, aber unbenutzbar ist. Noch während des Brandes kam ein Schwarzenfelder auf ihn zu und bot ihm nahelegene, leerstehende Räume als Ausweichquartier an. Die Feuerwehrmänner haben dann in einer Gemeinschaftsaktion die Fahrräder dorthin gebracht. "Ich bin so dankbar für die Solidarität der Menschen", fasst Kostner seine Gefühle zusammen. Ein Satz, den auch Marianne Kraft unterschreiben könnte. Aber die hat momentan anderes zu tun. Denn schon wieder klingelt das Telefon und jemand hat nützliche Utensilien zu verschenken.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.