Notquartiere: Alle Kommunen müssen ran

Die Flüchtlingswelle überrollt die bayerischen Bezirke. Auch in der Oberpfalz stoßen die Notaufnahme-Quartiere an ihre Kapazitätsgrenze. Regierungspräsident Axel Bartelt sieht jetzt alle Kommunen gefordert.

(cf/we) Einen Tagesrekord von 381 neuen Asylbewerbern verzeichnete die Oberpfalz am 23. August. Dies bestätigte Regierungspräsident Axel Bartelt auf NT/AZ-Nachfrage. Die Oberpfalz nahm im August bisher insgesamt 4500 Asylsuchende auf oder leitete sie weiter. Die sieben bayerischen Regierungspräsidenten besprachen am Freitag mit Innenminister Joachim Herrmann "sehr konzentriert die angespannte Situation". In allen Regierungsbezirken erreichen die Notaufnahme-Kapazitäten ihre Grenze, verlautete aus Teilnehmer-Kreisen.

Dem Vernehmen nach suchten allein in der vergangenen Woche in Bayern 1941 Menschen Asyl: Ein absoluter Höchststand, der eine Verdoppelung innerhalb weniger Wochen bedeutet. Inzwischen werden die Zahlen nach oben korrigiert. Die Hochrechnung des Bundesamtes für Migration ging von bundesweit 800 000 Flüchtlingen in diesem Jahr aus, intern wird jedoch schon mit einer Million gerechnet.

2000 Euro Belohnung

"Eine solche Wanderungsbewegung hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben", erklärte Regierungspräsident Bartelt. "Wir können diese historische Aufgabe nur gemeinsam schultern, indem sich alle Gemeinden solidarisch zeigen."

Eine Woche nach dem Brand in der Asylbewerberunterkunft in Neustadt/WN ist die Ursache weiter unklar. Von den möglichen Brandstiftern fehlt jede Spur, wie die Polizei mitteilte. Ein Bewohner hatte in der Brandnacht drei Männer flüchten sehen. Die Kripo sei bisher rund 40 Spuren und Hinweisen nachgegangen. Eine heiße Spur sei aber noch nicht dabei. Sie hat nun eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt.

Demo in Neustadt

Das Bündnis "Voices of Refugees Weiden" lädt diesen Samstag um 18 Uhr zur Demonstration am Gymnasium Neustadt am Felixberg ein. In der Turnhalle steht Platz für bis zu 200 Flüchtlinge zur Verfügung. Die Route führt auch zu der Asylbewerberunterkunft, in der es vor mehreren Tagen gebrannt hat. "Wir wollen den Flüchtlingen zeigen, dass nicht alle gegen sie sind. Sondern, dass es viele Leute gibt, die hinter ihnen stehen", sagt die Anmelderin der Demonstration, die ehemalige Weidener Stadträtin Elena Hierold (SPD).
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