NSU-Prozess: Als Zeuge aussagender V-Mann erinnert sich kaum
Getarnt ins Gericht

Im Münchener NSU-Prozess hat am Mittwoch der frühere V-Mann "Piatto" des brandenburgischen Verfassungsschutzes als Zeuge ausgesagt. Er soll enge Kontakte zur mutmaßlichen Unterstützerszene des "Nationalsozialistischen Untergrunds" besessen haben. An viele Details erinnerte er sich allerdings nur dunkel. Die Bundesanwaltschaft wirft dem NSU zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge aus überwiegend rassistischen Motiven vor.

"Piatto", der bis zu seiner Enttarnung vor 14 Jahren bürgerlich Carsten Szczepanski hieß, erschien mit einer dunkelhaarigen Perücke als Tarnung im Gericht. Beim Betreten des Saales verhüllte er seinen Kopf mit der Kapuze seiner Jacke und mit einem Tuch, das er erst vom Gesicht wegzog, als er den Zuschauern den Rücken zuwandte. Offenbar war aus Tarnungsgründen auch seine Kleidung ausgestopft, so dass er fülliger erschien als er möglicherweise ist.

An allgemeine Gepflogenheiten und Ansichten der Szene erinnerte er sich noch gut. Die Chemnitzer Gruppe, die das NSU-Trio versteckt und unterstützt haben soll, habe sich zur Organisation "Blood & Honour" gezählt. Die habe "ganz weit rechts" gestanden und sei besonders radikal gewesen. Konkrete Details nannte der Zeuge kaum. Mehrfach hielt ihm der Vorsitzende Richter Details aus Geheimdienstunterlagen vor. Demnach habe die Chemnitzer Gruppe für das untergetauchte Trio Geld gesammelt, Waffen beschaffen und einen Pass für "die weibliche Person des Trios" organisieren wollen.
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