NSU-Prozess: Jugendfreund belastet Beate Zschäpe - Anwälte: Falschaussage
Streit um Belastungszeugen

Die Verteidigung des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben hat im NSU-Prozess einem Belastungszeugen Falschaussage vorgeworfen und verlangt, ihn unter Eid zu nehmen. Ansonsten sei es ein "Freibrief für alle Belastungszeugen", sich nicht an die Wahrheit zu halten, sagte Anwalt Olaf Klemke. Das Oberlandesgericht München lehnte den Antrag am Mittwoch aber ab und folgte damit dem Widerspruch von Bundesanwaltschaft und Nebenklägern. Die Strafe für eine falsche Aussage unter Eid beträgt mindestens ein Jahr Gefängnis.

Der Zeuge war als Jugendlicher mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe befreundet. Er kannte nach eigener Aussage auch die beiden gestorbenen Männer des NSU-Trios, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die drei waren 1998 abgetaucht und sollen aus dem Untergrund zehn Menschen ermordet haben, neun von ihnen aus rassistischen Motiven.

In seiner Befragung enthüllte der Zeuge, dass Zschäpe schon vor dem Abtauchen an einer Straftat beteiligt gewesen sei. Sie habe mitgemacht, als Mundlos und Böhnhardt 1996 einen Puppentorso von einer Autobahnbrücke hängten, an dem ein Judenstern angebracht war. Nach dem Abtauchen des Trios sei er mehrmals um Geld für die drei gebeten worden. Dazu sei er aber nicht mehr bereit gewesen. Der Zeuge arbeitet inzwischen als Bediensteter des Strafvollzugs in Thüringen und hat sich nach seiner Darstellung aus der Szene vollständig gelöst.
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