NSU-Prozess: Propaganda-Zeitschrift eines V-Manns als Beweismittel eingebracht
Das Ziel: Absolute Macht

Am letzten Verhandlungstag vor Weihnachten hat sich das Gericht im Münchener NSU-Prozess am Mittwoch mit einer rechtsextremen Zeitschrift beschäftigt, die konkrete Anweisungen für einen illegalen Kampf gegen den Staat enthält. Darin wird behauptet, die Regierung plane die "Schwächung der Volkssubstanz"; empfohlen wird ein bewaffneter Kampf in kleinen, autonomen Zellen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem NSU zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor.

Herausgeber der Zeitschrift war ein ehemaliger V-Mann des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz. Sein Deckname lautete "Tarif". Inzwischen lebt er in Schweden und hat ein Buch über seine Tätigkeit fertiggestellt. In der Zeitschrift heißt es: "Wir haben ein klares Ziel - die absolute Macht". Die Untergrundzellen, die dafür kämpften, sollten sich konspirativ organisieren. Nach außen sollte sich jeder so unauffällig wie möglich verhalten.

Größe in der Szene

In einer Vernehmung bei der Bundesanwaltschaft hatte der frühere V-Mann gesagt, er hätte die Mordserie verhindern können, wenn der Verfassungsschutz seine Hinweise ernst genommen hätte. Er sei in der rechtsextremen Szene eine bundesweite Größe gewesen. Nach Einschätzung des Bundesamtes könnte er den mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos gekannt haben. Seine Zeitschrift wurde im Prozess komplett verlesen und damit als Beweismittel eingebracht.

Der NSU-Prozess wird am 12. Januar 2015 fortgesetzt. Erstmals in dem seit mehr als eineinhalb Jahren andauernden Verfahren wird es dann um den Nagelbomben-Anschlag an der Kölner Keupstraße gehen, bei dem 22 Menschen verletzt worden waren.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.