NSU-Prozess: Verteidiger fordern überraschend aufgetauchte Unterlagen für Akte an
Leichenfotos von Mundlos und Böhnhardt

Fotos und Akten, die vergangenes Wochenende überraschend bei der Polizei in Gotha (Thüringen) gefunden wurden, sollen in die Prozessakte des NSU-Prozesses aufgenommen werden. Das haben am Donnerstag die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben beantragt. Der neue Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe, Mathias Grasel, schloss sich dem Antrag an. Er habe das Gericht bereits am Montag per Telefax aufgefordert, die Unterlagen zur Akte zu nehmen, sagte Grasel. Die Bilder sollen unmittelbar nach dem mutmaßlichen Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 in deren ausgebranntem Wohnmobil aufgenommen worden sein. Sie galten bisher als verschollen. Am Samstag sollen Beamte auf Weisung der Landespolizeidirektion Thüringen diskret die Räume der Polizei in Gotha durchsucht haben. Dabei sollen sie auf die Fotos und zahlreiche bisher unbekannte Akten gestoßen sein. Als Zeugen hörte das Gericht am Donnerstag mehrere Kripo-Ermittler. Sie hatten Karten und Notizen ausgewertet, die in den Hinterlassenschaften des "Nationalsozialistischen Untergrunds" gefunden worden waren. Sie zeigen Stadtplanausschnitte mit Markierungen auf mögliche Anschlagziele in Nürnberg, Göttingen, Braunschweig, Paderborn und Hamm. Die meisten Notizen stammten ausweislich der Zeitstempel der Dateien vom 1. April 2006 und wurden demnach wenige Tage vor den beiden NSU-Mordanschlägen in Dortmund und Kassel erstellt. Erneut spielte auch der Streit um die Zschäpe-Verteidigung und die angekündigte Aussage der Angeklagten eine Rolle. Zschäpes Alt-Anwälte protestierten gegen die Vernehmung eines weiteren Zeugen, weil sie nicht wüssten, welche Strategie ihre neuen Anwälte verfolgten. Sie könnten sich darum nicht auf Fragen vorbereiten. Das Gericht vernahm den Zeugen dennoch, entließ ihn aber auf Antrag der Verteidiger noch nicht aus dem Zeugenstand.
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