NSU-Prozess: Zschäpe fällt das Schweigen schwer
Narzisstische Persönlichkeit

Am Anfang, vor zwei Jahren, als das Gerichtsverfahren gegen den "Nationalsozialistischen Untergrund" begann, da sei ihr das Schweigen noch leicht gefallen. Besonders aber, wenn private Themen berührt werden, zeige sie Nervosität.

Der Münchner Gerichtspsychiater Norbert Nedopil verfasste ein schriftliches Gutachten über sein Gespräch mit Zschäpe. Sie empfinde das Schweigen als "belastend". Nedopil soll die Angeklagte in seinem Gutachten als "narzisstisch" bezeichnen, eine Persönlichkeitsstörung, bei der übersteigerte Eitelkeit, mangelndes Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegen Kritik zusammenkommen.

Am 192. Prozesstag im März dieses Jahres erzählte ein Jugendbekannter, Zschäpe habe als Teenager in Geschäften "extrem geklaut", oft Dinge, "die sie gar nicht brauchte", einfach nur "aus Spaß". Während der Zeuge das erzählte, tuschelte Zschäpe auf der Anklagebank viel und hektisch mit ihren Anwälten.

Einer ihrer Verteidiger, Wolfgang Stahl, mühte sich dann, den Zeugen in seiner Gewissheit zu erschüttern. Das klappte aber nicht. Der blieb bei seiner Aussage. Zschäpe warf dem Anwalt immer wieder Blicke zu. Es sah so aus, als habe Zschäpe ihren Anwalt sagen lassen, was sie selber gern gesagt hätte, womit sie aber ihre Schweigestrategie gebrochen hätte.

Als Zschäpe jetzt mit Gutachter Nedopil sprach, da habe sie sich auch über ihre Verteidiger geäußert, sagen Prozessbeteiligte. Das, was sie sagte, sei wenig schmeichelhaft gewesen. Sie finde es zusätzlich "belastend", dass sie "auf die Fehler ihrer Anwälte aufpassen" müsse.
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