Nur einmal im Urlaub

"Georg Hösl ist 90 Jahre. Das bringen die wenigsten Leute zusammen", freuen sich der Letzauer Feuerwehrvorsitzende Günter Horn und Kommandant Karl Völkl. Kaum hatte Bürgermeisterin Marianne Rauh gratuliert, bläst die Original Letzauer Blasmusik unter Siegfried Kammerer einen fetzigen Geburtstagsmarsch.

Mit interessanten Details bringt der Jubilar bei den Feierlichkeiten zu seinen Ehren die Gäste aus Politik, Kirche und Vereinen zum Staunen. Am 18. Januar kam er auf dem elterlichen Bauernhof in Schammesrieth zur Welt.

Dort lernten er und seine acht älteren Geschwister schon früh das Zupacken und die Verantwortung für das Vieh. "Wir haben die Kühe auf die Weide getrieben und haben die ganze Zeit auf sie aufgepasst." Brotlaibe buk die Familie zu Dutzenden im eigenen Steinbackofen. "Früher habe ich Brot nicht so beachtet. In der Kriegsgefangenschaft lernte ich die russischen Worte, um nach einem Stück zu betteln." Mit "Spasibo" habe er sich immer bedankt, und Brotsuppe kochen die Hösls immer noch gerne.

Viele strenge Winter

Ungern denkt der Jubilar an die strengen Winter zurück, in denen meist alles auf Schusters Rappen erledigt werden musste. "Im tiefsten Schnee bin ich in die Kirche nach Waldthurn gestapft - in einer Stunde Fußmarsch." Genau entgegengesetzt marschierte er zur Volksschule nach Albersrieth. Da habe die Gebietsreform 1967 nichts ausgerichtet, resümiert der leidenschaftliche Gemeinderat und Ortsobmann im Bayerischen Bauernverband.

"Und früher war es in unserer Kirche eiskalt", sagt der überzeugte Katholik, der seit 66 Jahren die Marianische Männerkongregation der Pfarrei Waldthurn unterstützt. Gerne besucht er mit seiner "diamantenen" Ehefrau Monika die "Kirche auf dem Berg". So umschrieb den Fahrenberg einst ein Feriengast aus Übersee. "Wenn alles klappt, kommt er heuer wieder", freut sich der vielseitig interessierte Jubilar.

Weil er die Technisierung in der Landwirtschaft am eigenen Stall miterlebte, hielt er seinen Hof immer auf dem neuesten Stand. "Dreimal haben wir Gebäude abgerissen und wieder neu aufgebaut." Dann wurde er Vorreiter in Sachen "Urlaub auf dem Bauernhof". Selbst habe er nur einmal Urlaub gemacht. "Mit meiner Frau bin ich drei Tage zu Verwandten in den Schwarzwald gefahren, länger konnten wir gar nicht weg." Dafür kamen die auswärtigen Gäste gerne zu ihnen.

Sein ältester Sohn pflegte die regelmäßige Brieffreundschaft mit einem amerikanischen Studenten. Als er zu Besuch kam, nahm er die reichhaltige Bewirtung der Hösls wenig in Anspruch. "Er wollte ständig nur Eis zum Essen haben." Ungeachtet dieser zuckerhaltigen Gewohnheit sei aus ihm ein Doktor der Physik geworden. Hösl ist so rüstig, weil ihn seine Landwirtschaft, die Waldarbeit und die Ferienpension auf Trab hielten. Heute übernehmen das seine sechs Kinder. Zu den Gratulanten zählten auch Pfarrer Marek Baron, Waldthurn, Angela Wittmann als Vertreterin des Pfarrgemeinderats, Ernst Weig als Vorsitzender Marianischen Männerkongregation sowie viele Nachbarn und Freunde. Mit den Kindern, Enkeln und Urenkeln ist noch eine Extra-Feier geplant.
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