Nur noch fünf Tage für Kompromiss mit Athen

Ein Metzger wartet auf dem zentralen Fleischmarkt in Athen auf Kundschaft: Bisher laufen die Geschäfte noch halbwegs normal, möglicherweise auch, weil sich manche Verbraucher Vorräte angelegt haben. Mittelfristig allerdings könnten Fleisch- und Milchprodukte knapp werden. Bild: dpa

Ein Überbrückungskredit und neue Finanzhilfen - so könnte die Rettung Griechenlands vor der Staatspleite aussehen. Die Euro-Partner sind dazu bereit. Doch sie verlangen von Athen glaubwürdige Reformen. Die nächsten Tage werden entscheidend.

Letzte Chance für Griechenlands Premier Alexis Tsipras: Die Tür für Verhandlungen über weitere Hilfen bleibt offen, die Euro-Partner wollen Athen im gemeinsamen Währungsraum halten. Das berichteten EU-Diplomaten am Dienstag am Rande des Euro-Sondergipfels in Brüssel zur Schuldenkrise. Im Gespräch sei ein Überbrückungskredit, damit das Land nicht schon im Juli zusammenbreche, sowie ein drittes Hilfspaket. Ein Betrag sei bisher nicht bekannt. Das Spitzentreffen endete nach knapp vier Stunden.

Sondergipfel am Sonntag

Tsipras hatte in der vergangenen Woche Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM für zwei Jahre in Höhe von 29 Milliarden Euro beantragt. Ob diese Summe angesichts des Einbruchs der griechischen Wirtschaft ausreicht, ist jedoch offen. Einen von Athen verlangten erneuten Schuldenerlass lehnen die Euro-Staaten bislang mehrheitlich ab.

Die Staats- und Regierungschefs wollen zunächst konkrete Reform- und Sparzusagen aus Athen abwarten. Diese fehlen bisher, sollen aber spätestens morgen kommen. Sie gelten als Voraussetzung für Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm.

Für einen Kompromiss im Griechenland-Streit bleiben nach den Worten von EU-Gipfelchef Donald Tusk nur noch fünf Tage Zeit. "Die endgültige Frist endet diese Woche", sagte Tusk nach Abschluss des Gipfels in Brüssel. Die 28 EU-Staaten werden außerdem am Sonntag bei einem Sondergipfel über die Griechenland-Krise beraten. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend in Brüssel an. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erklärte, Athen wolle voraussichtlich heute einen neuen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM stellen. Die Finanzminister könnten darüber in einer Telefonkonferenz beraten. Nur die Ressortchefs können den Startschuss für ein ESM-Verfahren geben. "Wir haben sehr wenig Zeit", bilanzierte Dijsselbloem. "All das muss innerhalb von einigen Tagen gemacht werden."

Merkel mahnte, dass Leistung und Gegenleistung zusammen gehörten: "Ohne Solidarität und ohne Reformen ist der Weg, den wir zu gehen haben, nicht möglich." Auch sie betonte, dass jetzt sehr schnell eine Lösung gefunden werden müsse.

"Grexit" kein Tabu mehr

Die Euro-Finanzminister machten vor dem Gipfel aber auch deutlich, dass ein Ausscheiden des überschuldeten Staates aus dem Euroraum kein Tabu mehr sei. Der für den Euro verantwortliche EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis sagte: "Falls Vertrauen nicht wieder aufgebaut wird, falls es kein glaubwürdiges Reformpaket gibt, kann das nicht ausgeschlossen werden." (Seite 8)
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