Opfern ein Gesicht geben

Die Erinnerungstätte an das Olympia-Attentat von 1972: Nach Entwürfen des Tirschenreuther Büros "Brückner & Brückner" soll es im kommenden Jahr entstehen. Entwurf: Brückner & Brückner Architekten

Ein Anschlag als Einschnitt. Während des friedlichen sportlichen Ringens bei den Olympischen Spielen 1972 ermordeten Terroristen brutal 12 Menschen. Der überarbeitete Entwurf eines Denkmals in München soll genau das symbolisieren.

Kultusminister Ludwig Spaenle hat in München das überarbeitete Konzept des Tirschenreuther Architekturbüros Brückner & Brückner für die Gedenkstätte zum Münchener Olympia-Attentat im Jahr 1972 vorgestellt. Der Neuentwurf war nötig geworden, weil die Anwohner des ehemaligen Olympia-Dorfes, wo bei dem Anschlag palästinensischer Terroristen auf das israelische Olympia-Team zwölf Menschen getötet worden waren, gegen die ursprünglichen Pläne protestiert hatten.

Die jetzt vorgesehene Ausgestaltung für das mit 1,75 Millionen Euro veranschlagte Projekt ist jetzt mit den Anwohnern sowie den Opferfamilien und dem israelischen Generalkonsulat in München abgestimmt. An der Konzeption hatte auch der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, mitgearbeitet.

Im Herzen des Geländes

Auch gut 40 Jahre nach dem Attentat fehle noch immer ein "Ort des Erinnerns, des Erklärens und des Einordnens", sagte Spaenle. Man werde nun "im Herzen des Olympiageländes einen offenen Ort des Gedenkens schaffen". Es sei ein architektonischer Einschnitt in das vorhandene Gelände geplant, der den Einschnitt des Terroraktes in die "fröhlichen Spiele" von 1972 symbolisieren solle.

Neben dem historischen Ablauf der Ereignisse und ihrer Einordnung in die weltgeschichtlichen Zusammenhänge sollen die Biographien der Opfer - elf israelische Sportler und ein bayerischer Polizist - im Mittelpunkt stehen. "Wir wollen den Opfern ihr Gesicht wiedergeben", erklärte Spaenle. Bei dem damaligen Polizeieinsatz starben auch fünf Terroristen. Architekt Peter Brückner betonte, die nun vorliegende Weiterentwicklung sei "kein Kompromiss, sondern eine bessere Lösung". Der Standort liege nun wirklich im Zentrum des Geländes und stehe in Sichtbeziehung zu allen damals wichtigen Orten des Geschehens. Die Gedenkstätte werde als "offener Ort 24 Stunden am Tag erlebbar" sein.

Gemeinsame Verpflichtung

Geplant sei eine 140 Quadratmeter große überdachte Ausstellungsfläche mit einer Video-Audio-Dokumentation, die in die vorhandene Landschaft eingebettet sei. Zudem gebe es einen Raum für das individuelle Gedenken und für Gruppenführungen. Israels Generalskonsul in München, Dan Shaham, sprach von einem "Zeichen der gemeinsamen Verpflichtung zu Erinnerung". Das Konzept sei eine "bedeutungsvolle Arbeit", mit der ein "würdiger Ort des Gedenkens" geschaffen werde. Die Eröffnung der Gedenkstätte ist für den Herbst 2016 geplant. Zu den Kosten tragen das Internationale Olympische Komitee, der Deutsche Olympische Sportbund und die US-Sportfoundation rund 500 000 Euro bei. Den Rest teilen sich Bund, Land und Stadt zu etwa gleichen Teilen.
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