Osteuropastudien hautnah: Regensburger Elitestudenten erkunden Kirgistan - Ein Land zwischen ...
Zwischen Schlaglöchern und Reiterhorden

Die Jagdfalken werden nach wie vor bei der Jagd eingesetzt. Vor allem Hasen, Füchse und Rehe gehören zu ihrer Beute; sie sind jedoch durchaus in der Lage, auch Wölfe zu überwältigen. Bild: lev
Über Zentralasien wissen wir in der Regel nicht viel. Das, was wir zu wissen glauben, ähnelt mehr den Bildern aus Tausend und einer Nacht: Kamele, Berge, orientalisch angehauchte Altstädte. Den politisch Interessierten würden vielleicht einige nicht-demokratische Regimes einfallen. Ist das aber alles, steckt vielleicht viel mehr dahinter? Diese unbekannte Welt, genauer gesagt Kirgistan, sollten 17 Studenten des Elitestudiengangs Osteuropastudien der Universitäten München und Regensburg 14 Tage lang erkunden.

Abenteuer Autofahren

Kirgistan ist Mitglied in der Eurasischen Union, was große Loyalität zu Russland voraussetzt. Diese bekam einer der Begleitdozenten zu spüren - wer ein Einreiseverbot für Russland hat, darf auch nicht nach Kirgistan. Für die Bevölkerung gibt es keine sichtbaren Vorteile der Mitgliedschaft: das wichtigste Versprechen - Öffnung der Zollgrenzen innerhalb der Union für den Handel - ist bisher nicht eingelöst. Wird man als Europäer durch das Land gefahren, fallen sehr schnell sehr breite Straßen, ohne jegliche Markierungen und der eindeutig andere Fahrstil der Einheimischen auf.

Deshalb stellte das Autofahren immer wieder ein unvergessliches Abenteuer dar: ob im Taxi in der Hauptstadt Bischkek oder in einem überbesetzten Kleinwagen auf einem engen Bergpass. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Können unserer Fahrer zu bewundern", sagte ein Teilnehmer. Straßen von nationaler Bedeutung müssen in Kirgistan nicht immer asphaltiert und auch nicht stets passierbar sein. Somit bleibt das Pferd heute noch das beliebteste Fortbewegungsmittel in den Bergdörfern.

Kirgistan ist das einzige zentralasiatische Land, in dem seit dem Zerfall der Sowjetunion mehrere Präsidenten durch mehr oder weniger demokratische Wahlen an die Macht gekommen sind. Kirgisen sind deswegen durchaus stolz auf ihre junge Demokratie, auch wenn sie einräumen, dass Vieles noch nicht so ist, wie es sein sollte. Gleichzeitig sehen sie aber die benachbarten Diktaturen nicht als das Böse, sondern als Absicherung gegen Bürgerkriege in der Region.

Spiel mit der toten Ziege

Auch heute leben die Menschen in Kirgistan sehr traditionsverbunden. Natürlich funktioniert Traditionspflege mittlerweile besonders wegen der Touristen. Dennoch tragen die Einwohner abgelegener Dörfer die traditionelle kirgisische Kleidung ohne jegliche Zurschaustellung. Auch das traditionelle Spiel Buzkaschi, bei dem zwei Reiterteams versuchen, eine tote Ziege jeweils ins Tor der Gegner zu bringen, ist nicht nur in abgelegenen Gegenden sehr beliebt. Viele Männer gehen traditionell zur Jagd und das Reiten gehört nach wie vor zu den Fähigkeiten eines "echten Mannes".
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