Paralympics-Star muss erneut bangen: Längere Gefängnisstrafe wegen Mordes droht
Fall Pistorius neu aufgerollt

Vor Gericht muss Oscar Pistorius in der Berufungsverhandlung nicht erscheinen. Bild: dpa
Der Prozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius wird neu aufgerollt. Um die Höhe des Strafmaßes wird es dabei aber zunächst nicht gehen. Richterin Thokozile Masipa ließ am Mittwoch eine Berufung zu, in der die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung überprüft werden soll. Die Staatsanwaltschaft will dem beinamputierten Sprinter wegen Mordes verurteilt sehen. Pistorius' Verteidiger hatten sich gegen ein Berufungsverfahren gewehrt.

Die Richterin ließ es nicht zu, auch das Strafmaß von fünf Jahren Haft, zu dem der 28-Jährige vor sieben Wochen in Pretoria verurteilt wurde, neu zu verhandeln. Deswegen können Pistorius' Anwälte keine Freilassung auf Kaution bis zum Berufungsprozess beantragen. Sollte das Berufungsgericht Pistorius jedoch des Mordes schuldig befinden, könnte es laut Staatsanwaltschaft trotzdem eine höhere Gefängnisstrafe verhängen. Auf Mord stehen in Südafrika mindestens 15 Jahre Haft und höchstens lebenslänglich, was in der Praxis zumeist 25 Jahre Gefängnis bedeutet.

Haft statt Hausarrest

Pistorius hatte im Februar 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp mit vier Schüssen durch eine geschlossene Badezimmertür getötet. Er habe einen Einbrecher im Haus vermutet. Nach gegenwärtigem Strafmaß könnte der frühere Superstar schon nach weniger als einem Jahr entlassen und unter Hausarrest gestellt werden.

Der Sprecher der Anklage, Nathi Mncube, begrüßte die Entscheidung der Richterin. "Das ist es, was wir wollten." Nun sei das Berufungsgericht am Zug. "Sie müssen uns ein Datum geben", sagte er. Dies könne bis zu einem Jahr dauern. Im Berufungsverfahren werden Anklage und Verteidigung erneut ihre Positionen darlegen.

Zeugen werden dort nicht neu vernommen, so dass ein Verfahren meist nur wenige Verhandlungstage dauert. Staatsanwalt Gerrie Nel hatte bei einer Anhörung am Dienstag gesagt, das bisherige Strafmaß sei "auf schockierende Weise" zu milde. Pistorius habe genau gewusst, was er tat. Deswegen müsse er wegen Mordes verurteilt werden.
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