Pilsens musikalischer Schüler

Sie wurde als Cellistin in Japan und den USA gefeiert. Sie füllt als Direktorin der Pilsener Philharmonie Konzertsäle. Sie unterrichtet Musikmanagement am Konservatorium. Und Lenka Kavalová führte die Smetana-Tage zum Erfolg. Im Interview macht die 44-Jährige Lust auf den Höhepunkt des Festivals.

Frau Kavalová, was sind die Smetana-Tage eigentlich genau?

Lenka Kavalová: Das Festival zählt zu den bedeutendsten Kulturveranstaltungen Pilsens - nicht nur mit Konzerten von außergewöhnlicher Qualität sondern auch mit Rahmenveranstaltungen unterschiedlichster Genres. 1980 wurde es in Gedenken an Pilsens wohl musikalischten Schüler als interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium gegründet - mit jährlich wechselndem Leitthema. Peu à peu wuchs das musikalische Programm, es kamen Theateraufführungen, Ausstellungen, und Filmvorführungen dazu. So wurden die Smetana-Tage zum bedeutenden Pilsener Musikfestival, das die besten internationalen Künstler und Ensembles in die Stadt bringt.

Wer ist verantwortlich für Programm und Leitthema?

Kavalová: Wir besprechen das zusammen mit unseren Kooperationspartnern, dem Institut für Tschechische Literatur und dem Institut für Kunstgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und der Philosophischen Fakultät an der Karlsuniversität Prag. "Die Unsichtbare Loyalität? Österreicher, Deutsche, Tschechen und die böhmische Kultur des 19. Jahrhunderts" lautet das diesjährige Thema. Ich selbst ergänze die musikalischen Aspekte - heuer, passend zum Kulturhauptstadtjahr geht es um Smetana und seine Beziehung zu Pilsen - auch aus europäischer Perspektive.

Sie sind als Direktorin der Pilsener Philharmonie seit 2013 Veranstalterin - was haben Sie seitdem verändert?

Kavalová: Nach einigen Finanzierungschwierigkeiten 2012 wurde uns das Festival anvertraut, weil wir sehr erfolgreiche Musikevents realisieren - wir bekamen den Zuschlag für 2013 bis 2015 und haben dem Festival eine internationale Dimension verliehen. Letztes Jahr eröffneten die Münchener Symphoniker die Smetana Tage, heuer die Staatskapelle Weimar. Wir binden traditionell aber auch die wichtigsten Pilsener Kulturinstitutionen mit ein, wie das Westböhmische Musikzentrum, das Westböhmische Museum und die Westböhmische Galerie, die auch die Ausstellungen organisieren. Alle zwei Jahre findet in Pilsen zudem der internationale Smetana-Klavierwettbewerb statt.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Kavalová: Die Namen der Künstler, die hier auftreten, sprechen für sich - die Staatskapelle Weimar, das Prager Bläser-Oktett, das Schemann Klavierduo, Milan Franek mit seinen Jazz-Etüden, das Janácek Kammerorchester oder der Autor Eugen Brikcius. Es gastierten das Nationale Marionettentheater mit Don Giovanni oder Carl Topilow, Chefdirigent des Cleveland Pops Orchestra, der Musical-Stars aus New York mitbrachte.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Pilsen 2015?

Kavalová: Neu ist die Einbindung der Pilsener Philharmonie in das Netz der Europäischen Rundfunkunion. Sie wurde 1950 gegründet und vereint 47 Rundfunk- und TV-Sender aus 51 Ländern in Europa, Nordafrika und Nordwestasien. Wir nahmen für die Union einige Konzerte auf, etwa Arnold Schönbergs "Pierrot Lunaire", interpretiert vom Ensembles "Musique nouvelle" - am Libretto arbeiteten die Dichter Albert Giraud und Jaroslav Vrchlický zusammen. Unter dem Motto "Herr, geh ein unter unser Dach", veranstalten wir ein Projekt als christlich-jüdische Kooperation in der Alten Synagoge. Das dritte Konzert ist ein Folkloreprogramm mit Liedern aus Pilsen und Westböhmen - "Wenn du im Geiste traurig bist, erfreut dich die Pilsener Musi". Live übertragen wird auch "Stabat Mater" von Jakub Jan Ryba.

Apropos "Stabat Mater": Sie bezeichnen die Aufführung am Sonntag als Höhepunkt?

Kavalová: Das festliche Oratorium "Stabat mater" schließt das Festival würdig ab - es ist ein Geheimtipp, ein Kleinod, das der frühromantische Kompomist 1805 der Stadt Pilsen widmete. Die Pilsner Philharmoniker unter dem Dirigenten Vojtech Spurný gestalten den Abend musikalisch - Spurný ist als Experte in der Aufführung historischer Musik bekannt. Den Vokalpart übernimmt der Tschechische Philharmonie Chor unter Leitung von Petr Fiala. Als Solisten treten Christina Johnston, Jana Horáková Levicová, Jaroslav Brezina und Roman Hoza auf.

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Mehr über die Kulturhauptstadt Pilsen

http://www.oberpfalznetz.de/pilsen2015
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