Pingpong mit Tschetschenen
Angemerkt

Wer traut sich das? Zu sagen: Nö, das würde ich nicht tun. Ich würde nicht mit meinen Kindern in ein Land gehen, in dem es diese besser haben könnten. In ein Land, in dem sie eine Perspektive haben.

So wie es unsere Kinder haben, die ihres Glückes Schmied sind: frei, medizinisch versorgt, mit allen Bildungschancen. Ausgestattet mit selbstverständlicher Reisefreiheit, ohne materielle Not, geschweige denn Hunger. Das alles nur durch die Gnade ihres Geburtsorts links des 12. Längengrads (Waidhaus) und oberhalb des 35. Breitengrads (Lampedusa).

Das Wort "Wirtschaftsflüchtlinge" ist schnell ausgespuckt. Für Tschetschenen gesellt sich eine politische Dimension dazu. Die Tausende von Flüchtlingen, die jetzt wie beim Pingpong durch Europa geschubst werden, sind der russischen Tyrannei leid und damit leichtgläubige Beute einer Schleusermafia, die sie ausnimmt wie Weihnachtsgänse.

Und sie sind die Leidtragenden einer europäischen Flüchtlings- und Einwanderungspolitik, die nicht genau weiß, wie sie den richtigen Weg finden soll: Zwischen hohlen Parolen wie "Das Boot ist voll" einerseits - und der Realität von Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel andererseits.

christine.ascherl@derneuetag.de
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