Politik und Muslime suchen Schulterschluss

Frankreich gedachte am Dienstag der drei bei den Anschlägen getöteten Polizisten. "Clarissa, Franck, Ahmed sind dafür gestorben, dass wir frei leben können", sagte Präsident François Hollande. Die Beamten erhielten posthum den Orden der Ehrenlegion. Bild: dpa

Muslime, Juden und Christen gemeinsam: Die Mahnwache am Brandenburger Tor wird zu einem Signal für religiöse Toleranz und gegen Terror. Der Bundespräsident appelliert an den Patriotismus auch der Muslime in Deutschland.

Mit einer Demonstration der Solidarität nach dem Terror von Paris haben die Spitzen von Staat und Religionen ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland gesetzt. Bundespräsident Joachim Gauck rief alle Menschen unabhängig von Religion und Herkunft dazu auf, sich für Demokratie und Weltoffenheit einzusetzen. "Wir alle sind Deutschland", sagte Gauck am Dienstag bei einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor.

Nach Angaben der Polizei verfolgten etwa 10 000 Menschen vor dem Brandenburger Tor die Kundgebung. Zum Abschluss demonstrierten viele Teilnehmer Einigkeit: Sie hakten sich nach dem Vorbild der Großdemonstration in Paris vom Sonntag unter. Zu der Mahnwache für ein "weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit" hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland aufgerufen. Damit sollte der insgesamt 17 Terroropfer in Paris gedacht und islamfeindlichen Bestrebungen entgegengetreten werden. Am Montag hatte die anti-islamische Pegida-Bewegung in Dresden 25 000 Menschen auf die Straße gebracht. Unterdessen ist der auch bei Pegida-Anhängern verwendete Begriff "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres 2014 erklärt worden.

Gauck dankte in Berlin allen Muslimen, die sich vom Terror im Namen des Islam distanzierten. "Das ist ein patriotisches ,Ja' zu dem Land, in dem wir gemeinsam leben - zu unserem Land", sagte Gauck. Er kritisierte aber auch: "Die Distanz zwischen Einwanderern und Einheimischen, die Distanz auch zwischen Eingewanderten unterschiedlicher Herkunft wird noch zu selten überwunden." Alle im Bundestag vertretenen Parteien nahmen an der Kundgebung teil, die Bundesregierung mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der französische Botschafter Philippe Etienne sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und der christlichen Kirchen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte: "Die Terroristen haben nicht gesiegt, und sie werden nicht siegen." Für Einschüchterung und Gewalt gebe es keine Rechtfertigung. "Wir werden es nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird. Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten, die nur das Ziel haben, Hass und Zwietracht zu stiften, auseinandergerissen wird." Bei der Mahnwache wurden KoranVerse auf deutsch und arabisch vorgelesen. Nach Reden der Religionsvertreter folgte eine Schweigeminute.

Verdächtiger in Haft

Ein wegen Terrorverdachts in Bulgarien festgenommener Franzose bleibt dort in Haft. Dem aus Haiti stammenden französischen Staatsbürger wird die "Teilnahme an einer organisierten kriminellen Gruppe zur Vorbereitung von Terroranschlägen" vorgeworfen. Der 29-Jährige räumte nur ein, mit einem der "Charlie Hebdo"-Attentäter seit seiner Kindheit befreundet zu sein.

Die bayerische Staatsregierung verstärkt die Überwachung islamistischer Fanatiker. Das Kabinett beschloss am Dienstag die Schaffung von 100 neuen Stellen bei Behörden.
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