Politischer Aschermittwoch der CSU
Stammtisch ohne Parolen

Ein guter Schluck nach einer ziemlich trockenen Rede: Ministerpräsident Horst Seehofer prostet den CSU-Fans in Passau zu. Bild: dpa
Passau. (we) Klare Rollenaufteilung bei der CSU in Passau: Die Abteilung Attacke übernimmt beim Politischen Aschermittwoch Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber. Ministerpräsident Horst Seehofer bleibt dagegen seltsam blass. Bejubelt wird aber einer, der gar nicht spricht.

Schnell in Deckung gehen. So heißt es für viele CSU-Fans, als Lutz van der Horst durch die Reihen der Dreiländerhalle marschiert. Der schräge Reporter aus der "heute show" im ZDF auf der Suche nach Interviewpartnern - das gehört schon zu den außergewöhnlichen Momenten des eigentlichen Hochamtes der Christsozialen.

Albert Füracker hatte es schon vor Beginn prophezeit: "Das wird eher eine staatsmännische Veranstaltung." Der Heimat-Staatssekretär aus Neumarkt sollte recht behalten. Leider - aus Sicht der mehr als 3000 CSU-Anhänger. Der Funke der Begeisterung will einfach nicht überspringen. Vor allem nicht bei der Mini-Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer. Dabei ist das Feld für eine emotionale Veranstaltung bestellt. Schließlich huldigen die Christsozialen ihrem Übervater Franz Josef Strauß, der am 6. September 100 Jahre alt geworden wäre. Allerdings wirkt sogar der Einspieler mit Filmchen über "FJS" eher uninspiriert. Da können Stoiber und Seehofer noch so sehr das Erbe von Strauß beschwören: Sein Geist bleibt diesmal im Masskrug stecken. Auffällig: Bei der Begrüßung der CSU-Spitze erhält Finanzminister Markus Söder eindeutig am meisten Applaus, erntet sogar einzelne Bravo-Rufe. Ein klarer Fingerzeig, wen die Basis als Seehofer-Nachfolger favorisiert.

Kein Wort über Kronprinz

Vom CSU-Vorsitzenden gibt es freilich kein Wort, wen er als Kronprinzen sieht. In seiner gerade mal gut 30 Minuten langen Rede lobt er sein gesamtes Kabinett - und vor allem sich selber. Über Franz Josef Strauß, dessen Büste Seehofer in seinem Arbeitszimmer in der Staatskanzlei stehen hat, sagt er: "Ich bin ganz sicher, dass er mir mit Wohlgefallen über die Schulter geschaut hat." Oder wie es in Zeiten der sozialen Medien heißt: "Er hätte bei Facebook ,Gefällt mir' gedrückt."

Die bayerische Opposition ist für Seehofer überhaupt kein Thema, seine Wertschätzung drückt er in einem Appell aus: "Ich rufe den Wählern der Grünen und der Freien Wähler zu: Wählt lieber gleich richtig, das bisschen Opposition übernimmt dann gleich die CSU." Das klingt arrogant und ist exakt so gemeint. Der CSU-Chef streift die Themen Griechenland, Terror, Islam, Energiewende, ländlicher Raum. Überall ein Häppchen, aber so ganz will das Rede-Menü nicht munden.

Da hat vor ihm Edmund Stoiber mit seinen 73 Jahren wesentlich mehr Gas gegeben. Stellenweise überschlägt sich die Stimme des ehemaligen Ministerpräsidenten wenigstens ein bisschen. Einst gehörte es zum guten Ton der Redner, den Saal heiser und schweißgebadet zu verlassen. Davon ist an diesem Mittwoch wenig zu spüren.

Attacken gegen Griechen

Vielleicht taugen auch die Themen Krieg, Krise und Koalition nicht für Gebrüll. Stoiber spricht immerhin Klartext über die AfD ("die müssen wir aufs Korn nehmen") und reitet Attacken gegen die griechische Regierung ("die schießen den Vogel ab"). Den größten Beifall erntet Stoiber, als er die These von der "deutsche Leitkultur" ins Spiel bringt. "Der Islam gehört zu Deutschland. Diesen Satz mache ich mir auf keinen Fall zu eigen", macht der Ehrenvorsitzende deutlich: "Hier gibt es keine Peitschenhiebe für Blogger." Wer dies alles nicht akzeptiere, "muss weg".

Das ist aber auch schon der stärkste Tobak. Der vielbeschworene "größte Stammtisch der Welt" bleibt diesmal weitgehend ohne Parolen. Schnell verlassen viele Anhänger den Saal. Da steht aber noch Lutz van der Horst am Eingang. Außer Dienst. Einige junge Parteianhänger machen noch ein Selfie mit dem ZDF-Mann. Es bleibt für sie der Höhepunkt des Vormittags.
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