Polizei tötet Obdachlosen

Der Stadtteil Skid Row in Los Angeles, in dem der Mann getötet wurde, gilt als "Obdachlosen-Hauptstadt" der Vereinigten Staaten. Bild: dpa

Es sind immer die gleichen Bilder, die Empörung auslösen in den USA. Tödliche Schüsse von Polizisten auf Unbewaffnete sind keine Seltenheit - nun trifft es einen Obdachlosen.

Das Video vom Tod eines Obdachlosen in Los Angeles ist erschütternd. Erst rangeln mehrere Polizisten mit dem Mann. Man hört Schreie. Der Mann geht zu Boden. Dann fallen fünf Schüsse. Alles geschieht am helllichten Tag. Wenig später gibt die Polizei den Tod des Mannes bekannt. Die Beamten behaupten: Er habe versucht, nach einer Polizeiwaffe zu greifen.

Häufige Polizeiübergriffe

Böse Erinnerungen werden wach. Erst Ende vergangenen Jahres war die Polizei in New York mit großer Brutalität vorgegangen. Da hatte das Opfer laut Polizei illegal Zigaretten verkauft. Auch da gab es zunächst ein Gerangel. Ein Beamter nahm den Mann in einen Würgegriff. "Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen", bettelt das Opfer, das an Asthma leidet. Wenig später liegt sein massiger Körper leblos auf dem Asphalt. Die Liste der Polizeiübergriffe lässt sich fortsetzen. Mal sind die Opfer unbewaffnete Jugendliche, mal Kinder, die mit einer Spielzeugwaffe hantieren. Immer wieder geht die Frage um: Sind die US-Polizisten schlichtweg "trigger happy" - haben sie den Finger zu schnell am Abzug?

Statistiken gehen davon aus, dass es rund 270 Millionen Waffen in den USA gibt. Rein statistisches gesehen bedeutet das, dass rund 90 Prozent der Amerikaner eine Waffe besitzen - bei Kriminellen dürfte die "Waffendichte" deutlich höher liegen. Die Neigung abzudrücken ist hoch: Allein 2013 kamen 30 Polizisten durch Schüsse ums Leben.

Und trotzdem sorgt der vier Minuten lange Clip eines Augenzeugen, der die Tötung des Obdachlosen aus erschreckender Nähe dokumentiert, für Empörung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung im Netz überschlagen sich die Reaktionen. Nach 16 Stunden war das Video fünf Millionen mal geklickt. "Wenn vier Polizeibeamte einen unbewaffneten Mann nicht festnehmen können, ohne ihn zu töten, sollten sie vielleicht nicht Polizeibeamte in #Skidrow sein", schreibt eine Userin auf Twitter.

Die Polizei versucht seit Jahren, das Problemviertel nahe dem Hauptbahnhof unter Kontrolle zu bekommen. Kriegsveteranen, Menschen mit psychischen Problemen sowie Drogenabhängige prägen das Bild. Bittere Armut, Gewalt und Selbstmord sind an der Tagesordnung. Nun hat das Video die Aufmerksamkeit erneut auf Skid Row gelenkt.
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