Prag: Dampf machen für Bahnverkehr

Die rote Laterne für die Züge nach Tschechien. Vor 20 Jahren hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, die Bahnstrecke von Nürnberg über Marktredwitz nach Cheb (Eger) auszubauen. Geschehen ist bisher nichts. Die Verspätung ärgert nicht nur die Anliegergemeinden in Deutschland, sondern auch die tschechische Regierung. Bild: Rädle

Die EU will den Ausbau der Bahnstrecke von Nürnberg nach Cheb (Eger). Die Anliegergemeinden wollen ihn auch. Trotzdem nimmt das Projekt keine Fahrt auf. Scharfe Kritik kommt deshalb auch aus Tschechien.

(räd) Bis zum Jahr 2030 sollen die Gleise von Nürnberg nach Cheb (Eger) erneuert und elektrifiziert sein, wenn es nach der Europäischen Kommission geht. Anliegergemeinden und Tschechien fordern ebenfalls einen raschen Ausbau.

Bei einem Verkehrssymposium der Interessengemeinschaft "Elektrifizierung Nürnberg-Cheb" am Freitag in Marktredwitz sagte Cesare Bernabei, Generaldirektor für Mobilität und Transport bei der EU-Kommission: "Unser Korridor stellt eine ganz wichtige Verbindung dar zwischen Ost und West." Er sei Teil des Rhein-Donau-Korridors, der vom französischen Straßburg bis ans Schwarze Meer reicht. Die zuständige Koordinatorin Karla Peijs wandte sich in einer Videobotschaft an die Teilnehmer. "Ihre Initiative lässt sich mit unseren Planungen vereinbaren." Zum Kernnetz, das bis 2030 umzusetzen sei, gehöre auch diese Strecke mit ihrer Fortsetzung nach Prag.

Vertrag nicht erfüllt

Konkrete Aussagen zu Finanzierung und Zeitplan gab es allerdings auch am Freitag nicht - weder von der Deutschen Bahn noch vom Bund. Obwohl ein Ausbau seit 20 Jahren staatsvertraglich mit Tschechien fixiert ist, existieren auf deutscher Seite nach wie vor nur Absichtserklärungen. Nicht einmal Geld für Planungen stellte die Bundesregierung bislang zur Verfügung.

Tschechien hingegen hat die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen. Nur noch wenige Kilometer im Bereich der Grenze zu Deutschland sind noch nicht auf neuestem Stand. Vor diesem Hintergrund übte Jan Ilik vom tschechischen Verkehrsministerium scharfe Kritik an Deutschland: "Wir sind der Ansicht, dass uns die deutsche Seite alleingelassen hat." Eine Aussage, für die er lauten Beifall erhielt. Zwei Eisenbahnstrecken verbinden Nordbayern und Tschechien. Und auf beiden habe sich in den vergangenen 20 Jahren nichts getan. Zwischen beiden Ländern könne man kaum komfortabel reisen. Und: "Die Zahl derzeitiger Verbindungen ist alarmierend." Die schnellste Verbindung zwischen Prag und Bayern sei der Intercity-Bus.

Noch nicht ganz abgeschrieben ist die Süd-Route über Schwandorf und Cham, deutete Ilik an. Der Grund: Sie ermögliche Verbindungen nach München und Nürnberg gleichermaßen. Die Deutsche Bahn hält sich indes mit klaren Positionierungen zurück. Infrastrukturvorstand Volker Kefer nannte den Vertrag mit Tschechien den "stärksten Trumpf", den die Befürworter der Nord-Strecke in der Hand hätten. (Seite 3)
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