Pressather erkundet Krisengebiete der Welt und schreibt darüber
Derwische und Dortmund-Fans

Ein durchschnittlicher Bildungsbürger kennt so was nur aus dem Karl-May-Roman. Bernd Wohlgut sah den Tanz der Derwische mit eigenen Augen. Auf einem Friedhof im sudanesischen Karthum hielt er das Bild mit seiner Kamera fest. Bild: msh
Pressath. (msh) Bernd Wohlgut widmet sich in seiner Freizeit einem ungewöhnlichen Hobby. Er erforscht geopolitische Brennpunkte, um darüber zu schreiben. Zuletzt besuchte er den Sudan. Die Reise war beschwerlich und gefährlich, aber sie erfüllte ihren Zweck.

Seine Ferien verbringt Bernd Wohlgut zwar im Süden - sonst gibt es aber keine Gemeinsamkeiten mit dem Durchschnittsurlauber. Der Pressather liegt nicht in Italien am Strand oder fährt Rad auf Mallorca. Wohlgut erkundet auf eigene Faust die Krisengebiete der Welt, um seine Erkenntnisse anschließend niederzuschreiben. Nach Afghanistan beschäftigt er sich nun mit Ostafrika. Ein Buch über Äthiopien liegt bereits vor, für weitere Recherchen war er nun erneut in Äthiopien und im Sudan. Unterwegs traf er sich mit Vertretern des Goethe-Instituts und des Hilfswerks Misereor.

Über Afghanistan

Gespräche mit Bekannten hätten sein Interesse geweckt, sagt Wohlgut zu den Ursprüngen seines Hobbys. Die Bekannten waren selbst in Afghanistan und hätten ihn mit ihren Schilderungen so beeindruckt, dass er sich selbst auf den Weg machte, erklärt Wohlgut, der sein Geld bei der US-Armee in Grafenwöhr verdient. Die Reise habe ihm dann den Stoff für sein erstes Buch geliefert, über afghanische Geschichte und deren Einfluss auf die Weltpolitik. Weil der bis Afrika reicht, sei es nur logisch gewesen, sich auch mit diesem Kontinent, genauer mit dem Horn von Afrika, zu beschäftigen. Ergebnis war das zweite Buch über Äthiopien.

Nach mehreren Vorträgen nahm Wohlgut den Faden dort auf, wo das Buch endet: in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba und dann im Sudan. Bei seiner Reise 2013 war er auf das Wasserproblem in der Region gestoßen. Der Nil fließt aus Äthiopien durch den Sudan nach Ägypten. Dies nutzt Äthiopien, um Druck auf die beiden anderen Länder zu machen. Wie sich dies auswirkt, wollte Wohlgut erforschen. "Sich ein Bild vor Ort zu machen, gehört für mich zur Recherche." Das Schulsystem, den Entwicklungsstand oder die Kultur könne nur verstehen, wer es erlebt habe.

"Bedenken, in den Sudan zu reisen, hatte ich nicht. Die Kultur ist fremd, aber nicht feindselig." Wohlgut will aber auch nichts verharmlosen: "Natürlich gibt es Risiken." Gute Vorbereitung und Kontakte zu integeren Leuten minimierten die Gefahren, sagt Wohlgut. Um diese Kontakte zu finden, müsse man auch ungewöhnliche Wegen gehen. "Meinen ersten Anlaufpunkt hat mir ein äthiopischer Asylbewerber vermittelt. Der Mann lebt derzeit im Kreis Tirschenreuth." Bei einem Bier in einer Kneipe habe er dessen Vertrauen gewonnen, so dass der Afrikaner Wohlgut seinen Verwandten empfahl.

Misstrauische Polizei

Bei aller Vorbereitung: Ein solcher Tripp bleibe eine Abenteuerreise. In Addis Abeba habe ihn zum Beispiel die Polizei aus dem Hotel geholte und verhört. Ein Ausländer, der auf eigene Faust das Land erkundet und Fragen stellt, stößt in dem autoritären Land auf Misstrauen. Nach einem schwierigen Gespräch durfte der Pressather aber zurück ins Hotel.

Die Erkenntnisse und Eindrücke seien ihm solche Schrecksekunden wert. Im Sudan durfte der Autor etwa eine faszinierende Kultur kennenlernen. "Den Tanz der Derwische auf dem Friedhof der Hauptstadt Khartum haben wohl nur wenige Europäer erlebt." Allerdings bewies das Spektakel auch, wie klein die Welt ist: Ein Sudanese stellte sich dem Deutschen als glühender Borussia-Dortmund-Fan vor. Der Mann sei nicht nur bestens informiert, sondern auch sehr besorgt wegen der miserablen Saison des BVBs gewesen.

Auf der anderen Seite erlebte Wohlgut auch Aufstände mit, von denen in westlichen Medien zu lesen war. Berichten wird Wohlgut von seiner Reise das nächste Mal in Leipzig: Am 13. März tritt er bei der Buchmesse zwischen 18 und 20 Uhr im Husky-Outdoor-Shop auf.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.