Prozess gegen 34-Jährigen: Angeklagter bestreitet weiter Tötungsabsicht
"Wollte meine Mutter nicht töten"

Symbolbild: dpa
Amberg/Schwandorf. (hou) War das, was sich an einem Herbstabend letzten Jahres in einem Wohnhaus bei Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) zutrug, ein Mordversuch? "Ich wollte meine Mutter nicht töten", sagt jetzt ein 34-Jähriger vor dem Amberger Schwurgericht. Doch ob das stimmt, wird sich erst im Rahmen einer längeren Beweisaufnahme herausstellen müssen.

Das Verfahren hatte schon einmal stattgefunden. Heuer im August wurde es vor einem Amberger Schöffengericht abgebrochen und wegen des dringenden Verdachts auf "heimtückischen Tötungsvorsatz" an die Schwurkammer des Landgerichts verwiesen. Ein auf der Anklagebank sitzender Arbeitsloser, seit Jahren als Trinker bekannt, hatte in dem gemeinsam mit seiner Mutter bewohnten Haus mit Nitroverdünnung Feuer an einer ins Obergeschoss führenden Treppe gelegt. Dabei wusste er, dass sich die 60-jährige in ihrem Schlafzimmer in der ersten Etage befand.

Während der Täter kurz darauf flüchtete und dabei in einem Auto wichtige persönliche Unterlagen sowie drei Hunde mitnahm, gingen die Flammen von selbst aus. Die 60-Jährige hatte sie bemerkt, sich ins Freie gerettet und über Nachbarn Alarm schlagen lassen. Als Feuerwehr und Polizei vorfuhren, kehrte auch ihr Sohn an den Tatort zurück und wurde festgenommen.

Vor dem Schwurgericht bestreitet der 34-Jährige jetzt erneut jegliche Tötungsabsicht. Doch es gibt Fakten, die dagegen sprechen. Der Mann lebte mit seiner Mutter im Streit, weil sie ihm seine Trunksucht vorwarf. Der Beschuldigte hatte wenige Wochen vor der von ihm zugegebenen Brandlegung seinen Vater beerdigen müssen. Er galt als einzige Bezugsperson des jungen Mannes. Als er das Feuer gelegt hatte, fuhr der Angeklagte unverzüglich zur letzten Ruhestätte des Vaters und nahm eine Kranzschleife mit, die von dessen Grab stammte. Seiner Mutter schrieb er eine Teilschuld an dessen Tod zu.

Vor dem Schöffengericht hatte im August eine Sachverständige zwar von über zwei Promille Alkohol zur Tatzeit gesprochen. Einen völligen Ausschluss der Schuldfähigkeit aber verneinte sie bei dem Gewohnsheitstrinker. Der Prozess wird fortgesetzt.
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