Prozess-Neuauflage bringt viel höheres Strafmaß für Vergewaltiger, der Taten filmte
Fast neun Jahre hinter Gitter

Symbolbild: dpa
Amberg/Schwandorf. (hwo) Im Urteil standen Straftatbestände wie sexuelle Nötigung, gefährliche Körperverletzung und Vergewaltigung. Dafür muss ein 35-jähriger Schwandorfer fast neun Jahre hinter Gitter. Entschuldigungen und Schmerzensgeld, das er an zwei seiner Opfer zahlte, halfen ihm nichts.

Die 4. Strafkammer des Amberger Landgerichts war vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe zu einer Neuauflage des Prozesses gegen den ehemaligen IT-Fachmann bemüht worden. In einer ersten Verhandlung hatte er drei Jahre erhalten. Dagegen ging Staatsanwältin Michaela Frauendorfer mit einer Revision vor. Hierbei war sie, wie sich ergab, im Meinungseinklang mit dem 1. Strafsenat des BGH. Die Ansicht lautete: So glimpflich konnte der Sexualtäter nicht davonkommen.

Völlig lebensfremd

Bereits beim ersten Prozess im vergangenen Jahr hatte der Angeklagte eine Erklärung abgegeben. Das tat er auch diesmal. Seine Angaben deckten sich zwar nicht, doch ein skrupellos vorgehender Sexualtäter wollte er niemals gewesen sein. Also alles irgendwie mit dem Einverständnis und der Einwilligung seiner weiblichen Opfer? Eine völlig lebensfremde Einschätzung, die ihm weder die Karlsruher Richter noch die unter Vorsitz von Dr. Stefan Täschner tagende 4. Strafkammer glaubten.

Der Mann verabreichte seinen drei Opfern Beruhigungsmittel in hoher Dosierung. Sie fielen in Tiefschlaf, wurden in diesem willenlosen Zustand zur Zielscheibe sexueller Triebe. Der Täter war dabei keineswegs schuldunfähig, befand der Psychologe Thomas Lippert (Nürnberg). Allerdings empfahl er dem Mann dringend, sich therapieren zu lassen.

Ein Opfer unbekannt

Zwei der Verbrechen geschahen in der Schwandorfer Wohnung des Mannes, ein weiteres verübte er in der nahe Regensburg liegenden Unterkunft einer Frau, die er besuchte. Mit seinem Handy fertigte er in zwei Fällen Videos an. Dass eine der Missbrauchten namentlich nicht bekannt ist, spielte jetzt für die 4. Strafkammer keine Rolle. Sie entnahm dem Film, dass eine Zustimmung der tief schlafenden Frau nie und nimmer vorgelegen haben könne.

"Was er tat, war demütigend und hoch gefährlich für die Frauen", resümierte Staatsanwältin Michaela Frauendorfer und ergänzte: "Was dieser Mann anrichtete, hat schweren Schaden bei seinen Opfern hinterlassen." Zehn Jahre Haft hielt sie für angemessen. "Nichts ist konkret bewiesen", ließ Verteidiger Michael Haizmann vernehmen. Außer einigen Verfehlungen, die sein Mandant ja zugegeben und sich dafür auch entschuldigt habe. Dreieinhalb Jahre Haft hielt Haizmann für ausreichend.

Im Urteil kam es knüppeldick für den 35-Jährigen. Er muss für acht Jahre und neun Monate hinter Gitter. Die Strafkammer ging in einem Fall von Vergewaltigung aus, sie traf ihre Entscheidung auch wegen gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung. Damit verdreifacht sich die Ahndung gegenüber dem Ersturteil. Der Vorsitzende Richter Täschner legte dem 35-Jährigen eine Therapie dringend nahe. Doch ob er das tut, bleibt fraglich. Er stuft sich in seinem Verhältnis gegenüber Frauen noch immer als völlig normal ein.

Zahlung hilft nichts

Während des Verfahrens hatte der Schwandorfer insgesamt 9000 Euro als sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich bezahlt. Solche Gesten führen im Regelfall zu einer Strafmilderung. Diesmal nicht. Denn der Gesetzgeber setzt voraus, dass damit auch "ein friedensstiftender Weg" beschritten wird. Davon konnte keine Rede sein: Die Opfer sind schwer traumatisiert und weigern sich, ihm zu verzeihen.
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