Prozess um Millionenbetrug: Urteil am Freitag - Verteidiger fordern Freispruch
Freispruch statt "lebenslänglich"

Symbolbild: dpa
Weiden. (ca) Der Angeklagte im Prozess um Millionenbetrug wird nächste Woche 69 Jahre alt. "15 Jahre bedeuten für ihn de facto lebenslänglich", sagt Verteidiger Helmut Miek. Er fordert am Mittwoch Freispruch, ebenso sein Kollege Jörg Jendricke.

Das steht in krassem Gegensatz zu den 15 Jahren wegen Betrugs, auf die Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf letzte Woche plädiert hatte. Für die Verteidiger ganz klar zu viel: "Er hat weder kleine Kinder umgebracht, noch jemanden umgebracht", protestiert Jendricke. Unbestritten: Wolfgang S. habe Geldgeber um über neun Millionen Euro erleichtert. Aber: Diese hätten es ihm schon sehr leicht gemacht. Und: Er sei selbst immer felsenfest davon überzeugt gewesen, dass die Sache gut ausgeht. Aus Sicht seiner Verteidiger handelte Wolfgang S. gutgläubig. "Er hielt alles für wahr. Er hat nicht vorsätzlich gehandelt."

Wolfgang S. ist seinerseits über den Tisch gezogen worden. Davon sind die Anwälte überzeugt. "Ihm wurde suggeriert: Dir steht ein Vermögen zu, aber vorher musst du einzahlen." Und weil der Wahl-Mallorquiner das Geld dazu nicht hatte, beschaffte er es von Investoren. Dafür spreche, dass er sich selbst nicht bereichert habe. "Wo sind denn die Millionen hin?", fragt Jendricke. Auf Konten nach Singapur, Hongkong, Dubai, Zypern. "Zu irgendwelchen dubiosen Limiteds." Die Verteidiger glauben nicht, dass Wolfgang S. selbst Teil einer "Nigeria-Connection" für Vorschussbetrug war. "Sonst würde seine Frau jetzt nicht irgendwo bei Bekannten rumsitzen und von der Hand in den Mund leben."

Die Geldgeber hätten es ihm leicht gemacht. Miek vergleicht's mit einem Supermarkt ohne Kassiererin. Jendricke geißelt die "abgrundtiefe Kopflosigkeit" des hauptgeschädigten Unternehmers aus dem Landkreis Tirschenreuth. Der Betriebswirt zahlte sogar die Münchner Geldstrafe von Wolfgang S. wegen Betrugs an die Landesjustizkasse. "Spätestens ab diesem Zeitpunkt war er nicht mehr gutgläubig und konnte damit auch nicht getäuscht werden." Der Unternehmer butterte bis 2012 über Millionen in die Sache.

Fest im Glauben

Zur Sprache kam der feste Glaube von Wolfgang S. und seiner Geldgeber an das Wahnsinnsvermögen, das durch Gebühren losgeeist werden kann. "Zweifel sind nicht zu ihnen durchgedrungen." Das gilt bis zum heutigen Tag. Auch am Mittwoch ist ein Geschädigter aus Nürnberg angereist. Der Bauingenieur ist dem Angeklagten nicht gram, dieser sei ein "ehrbarer Mann". In aller Freundschaft erklärt ihm der Angeklagte in einer Kaffeepause, warum die Millionen nicht da sind - noch nicht.

Das Urteil verkündet Landgerichtspräsident Walter Leupold am Freitag, 10.30 Uhr, im Schwurgerichtssaal.
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