Prügelattacke: Opfer aus Mali widerspricht Angeklagten
"Habe nicht provoziert"

Das Opfer nahm die Entschuldigungen seiner Peiniger an. An der Aussage des Mannes aus Mali änderte dies jedoch nichts. Diese widersprach teilweise den Behauptungen des Brüderpaars (18 und 24 Jahre) und ihres 26-jährigen Kumpels, die sich vor der Jugendkammer des Landgerichts Regensburg wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen.

Am fünften Verhandlungstag zogen sich die Prozessbeteiligten zunächst zu einem einstündigen Rechtsgespräch zurück. Einen Durchbruch brachte es jedoch nicht. Nach der Erklärung des Gerichtsvorsitzenden sei weder von den Verteidigern noch vom Staatsanwalt der zu erwartende Strafrahmen genannt worden. Dabei ist die Strategie der Verteidiger, den Vorwurf des versuchten Totschlags zu entkräften und eine Verurteilung "nur" wegen gefährlicher Körperverletzung zu erreichen, offensichtlich. Der wiederholten Behauptung des jüngsten Angeklagten, er und seine Freundin seien vom Opfer provoziert worden, widersprach der Geschädigte im Zeugenstand.

Er sei alleine zum Bahnhof Straubing gegangen, auch seien keine anderen Farbigen dort gewesen. Er habe weder das Paar durch Gesten provoziert noch vor ihnen ausgespuckt. Im Zug musste er eine Fahrkarte beim Schaffner lösten und deshalb an dem Pärchen im Mittelgang des Abteils vorbei gehen. Am Haltepunkt Niederlinhart sah er sich noch im Zug allen drei aggressiv wirkenden Angeklagten gegenüber. Er habe befürchtet, dass es gefährlich werden könnte. Auf Nachfrage, ob er nicht an Flucht dachte, meinte er: "Ich wollte fliehen, aber ich schaffte es nicht."

Der Angeklagte blieb dabei, dass seine Freundin bereits am Bahnhof Straubing vom Geschädigten und "möglicherweise" weiteren Farbigen angemacht wurde. Im Zug habe dann das Opfer im vorbeigehen "eine größere Menge Spucke fallen lassen". In Niederlinhart habe er aus den Augenwinkeln gesehen, wie seine Freundin vom Geschädigten angerempelt wurde. Da seien sie auf ihn losgegangen. Dass sein Bruder einen Hammer mit sich führt,wusste er nicht. Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt, das Urteil soll am 26. November verkündet werden.
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