Psychisch Kranke nicht stigmatisieren

Der Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Ulrich Hegerl, lehnt eine Ausweitung der psychiatrischen Untersuchungen für Piloten ab. "Einen Laborwert für Depression oder Suizidgefährdung gibt es leider bisher nicht", sagte er dem Magazin "Der Spiegel" (Samstag). Zwar gingen zahlreiche Suizide auf Depressionen zurück. "Völlig untypisch ist allerdings, dass ein depressiv Erkrankter eine große Zahl anderer Menschen mit in den Tod reißt."

Das Motiv passe absolut nicht zu Depressionen. "Das kann man nicht übertragen auf die zwei bis drei Millionen depressiven Kranken in Deutschland. Diese sind eher besonders verantwortungsvoll und fürsorglich, und nichts liegt ihnen ferner als anderen zu schaden."

Experten warnen davor, psychisch Kranke nun zu stigmatisieren. Ulrich Krüger, Geschäftsführer der Aktion Psychisch Kranke, sieht die öffentliche Diskussion der vergangenen Tage mit Sorge: "Hier wird suggeriert, dass Menschen mit einem psychischen Leiden automatisch mit einer Gefährdung verbunden sind." Das könnte dazu führen, dass Betroffene es nicht mehr wagten, über ihre Erkrankung zu sprechen, und sie sogar verheimlichten. (dpa)
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