Putin greift Griechen unter die Arme

Kreml-Chef Wladimir Putin (rechts) weist den Weg. Unter anderem versprach er dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras Hunderte Millionen Euro an Einnahmen, wenn sich die Regierung in Athen für den russischen Gastransit öffnen sollte. Bild: dpa

Kremlchef Putin und Griechenlands Ministerpräsident Tsipras wollen enger zusammenarbeiten. Es geht wohl nicht um Kredite für Athen, aber um handfeste wirtschaftliche Interessen. Kritik aus der EU weist Tsipras zurück, Griechenland sei "keine Schuldenkolonie".

Russland will dem krisengeplagten Griechenland mit Investitionen und möglichen Gas-Millionen unter die Arme greifen. Kremlchef Wladimir Putin bot dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras am Mittwoch zudem eine umfassende Wiederbelebung der Handelsbeziehungen an. Beide Länder sollten das frühere Wachstumstempo wiederherstellen, appellierte er bei einem Treffen in Moskau.

Putin stellte Athen auch Kredite für Infrastrukturprojekte in Aussicht. Zwar habe Athen keine Hilfe beantragt, doch seien Kredite für konkrete Vorhaben möglich. Beide unterzeichneten einen gemeinsamen Aktionsplan für 2015/2016. Putin warb eindringlich für die geplante russische Pipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei. Griechenland könne zum "geopolitischen Akteur" und zum wichtigsten Gastransitland in der EU werden, falls sich das Land dem Projekt anschließe. Putin stellte Hunderte Millionen Euro an Einnahmen aus dem Gastransit in Aussicht.

"Das Ziel meines Besuches ist ein Neustart in unseren Beziehungen", sagte Tsipras. Die Kritik von EU-Politikern an seiner Reise wies er zurück. "Manche sollten aufhören, jede unserer Bewegungen in einer Art zu kommentieren, als wäre Griechenland eine Schuldenkolonie", sagte Tsipras. Griechenland werde auch weiter versuchen, seine Probleme innerhalb Europas zu lösen.

EU-Politiker hatten Tsipras davor gewarnt, die EU-Linie gegenüber Russland zu verlassen. Dies betrifft vor allem die westlichen Sanktionen gegen Russland wegen des Ukrainekonflikts. "Bei allem Frohsinn zwischen Herrn Putin und Herrn Tsipras: Die Linie, die wir von ihm erwarten, hat er nicht verlassen", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). (Kommentar und Seite 8)
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